Full text: Volume (Bd. 4 (1894))

27.11. Jastrow, Handbuch für amtsrichterliche Geschäfte

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Literatur.

hat, als der etwas schwankende Begriff des „laufenden Bedürfnisses" durch die Haftsumme
von 1000 Mark ersetzt worden ist, den Vorzug zu geben.
Leipzig. Landgerichtsrath Dr. Paul.
Handbuch für amtsrichterliche Geschäfte. Von Hermann Jastrow, Amtsgerichts-
raih in Berlin. Zmn praktischen Gebrauche für Richter und Rechtsanwälte bearbeitet.
Berlin 1893, Otto Liebmann. (602 S. Pr. 11,50 Mk.)
Das angezeigte Werk ist zunächst für preußische Juristen bestimmt, denen es einen
umfassenden Ueberblick über das Gesetzesmaterial, soweit es für die Amtsgerichtsgeschäfte in
Betracht kommt und abgesehen von größeren Gesetzen und Rechtsgebieten wie den Reichs-
justizgesetzen, dem Strafrechte, der Justizverwaltung, bieten will; es enthält aber manche
Zusammenstellungen, die auch den sächsischen Juristen von Werth sind. Für die sächsischen
Verhältnisse sind die Ausstellungen gegen den Umfang der Sammlung im Wesentlichen ohne
Bedeutung. Das preußische Ausführungsgefetz zum Gerichtsverfassungsgesetze, das in der
Hauptsache den allgemeinen Theil bildet, giebt einen Einblick in die preußische Justiz-
verfassung und -Verwaltung, der für den Verkehr mit den preußischen Gerichten oft nöthig
ist. Von größerer Bedeutung sind die Mittheilungen über das Handelsregister und über
das Genossenschaftsregister und was damit zusammenhängt, von denen manche Entscheidungen
auch hier unmittelbar zu verwenden sind. Bei den Acten und Registern der Notare wäre
vom sächsischen Standpunkte aus eine vollständigere Wiedergabe der gesetzlichen Bestimmungen
zu wünschen gewesen, da es nicht leicht ist, in den einschlagenden Fällen den' Gesetzestext zu
erhalten; auch für preußische Verhältnisse wird das Mitgetheilte kaum das Nachschlagen
lohnen, denn über die Form der Notariatsacte ist nichts gesagt. Zu den Bestimmungen des
Handelsgesetzbuchs über den Verkauf des kaufmännischen Pfandes u. s. w. sind einige Aus-
führungen und Entscheidungen gegeben, die von Bedeutung sind; nach den Verhältnissen und
dee Größe des Rechtsgebietes hätte eine reichere Rechtsprechung erwartet werden können als
angeführt ist. Unter den Nebengeschäften des Vormundschaftsrichters — die Vormundschafts-
ordnung selbst ist nicht ausgenommen — werden Einrichtungen erwähnt, die bei dem lebhaften
Verkehr zwischen sächsischen und preußischen Gerichten dem Beamten zu wissen nöthig sind,
um Weiterungen zu vermeiden; dies gilt auch von dem Gesetze Über die Ausstellung von
Erbbescheinigungen. Bei den Bestimmungen über die Rechtshülfe ist der Abschnitt über die
Ersuche nach dem Auslande zu dürftig, um die preußischen Anordnungen übersehen zu können.
Endlich ist noch der Auszug aus den Ausführungsbestimmungen zum Gerichtskostengesetze
zu erwähnen.

Oberamtsrichter Kranichfeld.

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