Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 4 (1894))

27.9. Hecker, Zur Lehre von der rechtlichen Natur der Versicherungsverträge

27.10. Sturm, die Haftpflicht der Gastwirthe

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Literatur.

für die Erlangung eines Gutes eingesetzt hat, und fte bedient sich zur Erreichung ihrer Zwecke
des Mitleides, welches die Kräfte Anderer zu unserer Hülfe herbeiruft.
Wir wollen den Gedankengängen des Verfassers nicht weiter folgen. Auf willkürlichen
Voraussetzungen beruhend und in sprunghafter und verworrener Darstellung vorgetragen,
gelangen sie zu einem für die wirkliche Erkenntniß der Rechtsidee völlig unzulänglichen
Ergebniß. Landgerichts-Direktor Fuchs, Bautzen.
Zur Lehre von der rechtlichen Natur der Verstchernngsverträge. Von Her-
mann Hecker. Erste Abtheilung: der Schadensversicherungsvertrag. München.
Theodor Ackermann. 1894.
Der dogmatischen Bearbeitung des Versicherungsvertrages stehen zur Zeit noch große
Schwierigkeiten entgegen; gar zu mannigfaltig sind die Gebiete, über die sich die Versiche-
rung mit immer wachsender Bereicherung und Vervollkommnung ihrer Technik ausdehnt, gar
zu bestritten aber auch die Grundbegriffe, auf denen die rechtliche Natur des Versicherungs-
vertrags sich aufbaut. Einer logischen Zergliederung eben dieser Grundbegriffe ist die vor-
liegende Arbeit im Wesentlichen gewidmet.
Freilich macht es sich von vornherein nachteilig fühlbar, daß der Verfaffer sein Augen-
merk etwas zu ausschließlich auf eine einzelne, allerdings besonders hervortretende Art der
Versicherung, nämlich die Seeversicherung, gerichtet hat; man kommt beim Lesen nicht viel
Über den VorstellungskreLs hinaus, den man etwa aus dem betreffenden Abschnitt des Ende-
mann'schen Handbuchs gewinnt, dadurch aber wird die Ueberzeugungskraft der vorgeführten
Argumente in Beziehung auf ihre Gemeingiltigkeit beeinträchtigt. Immerhin bietet die Ab-
handlung recht Beachtenswerthes, namentlich sind die Ausführungen über den Jnteressebegriff
scharf gedacht.
In dem Bemühen, die verschiedenen Erscheinungsformen des Schadensvcrsicherungs-
vertrags unter einen Begriff zu vereinigen, läßt es sich der Verfaffer besonders angelegen sein, von
diesem Begriffe alles überflüssige Beiwerk abzustreifen. So gelangt er schließlich zu der Auf-
fassung jenes Vertrages als eines selbständigen Konsensualvertrags, durch welchen der eine
Kontrahent verspricht, ungewissen Vermögensschaden in Geld zu ersetzen, der andere Kon-
trahent als Gegenleistung die Zahlung einer Prämie zusagt. Daß aber diese Begriffsstim-
mung den wirklichen Zwecken und Gestaltungen jener Vertragsform Genüge thue wird sich
bezweifeln lassen. Denn nicht ein ungewisser Vermögensschaden schlechthin, sondern nur ein
nach Anlaß, Zeit und Person mehr oder weniger bestimmter, ungewisser Vermögensschaden
bildet überall den Gegenstand der Versicherung, und es ist bedenklich, hierauf bei der Auf-
stellung des allgemeinen Vertragsbegriffs keine Rücksicht zu nehmen.
Nicht überzeugend erscheint auch die vom Verfasser beliebte Abgrenzung des Versiche-
rungsvertrags gegenüber dem Garantievertrag, der in dem Begriffe der Schenkung auf-
gehen soll.
Wir werden auf die angedeuteten Bedenken bei der Besprechung des in Aussicht ge-
stellten Schlußheftes zurückkommen.
Landgerichts-Direktor Fuchs, Bautzen.
Die Haftpflicht der Gaflwirthe. Von Aug. Sturm, Rechtsanwalt in Naumburg a. S.,
Naumburg a. S., Verlag von Albin Schirmer, 1892. Preis 1 M.
Der Verfasser meint, daß die Lehre vom Gastaufnahmevertrag eine dem gegenwärtigen
Stande der Wissenschaft entsprechende Bearbeitung noch nicht erfahren habe. Dies ist richtig;
nur scheint gerade das vorliegende Werk uns nicht berufen zu sein, jene Lücke auszufüllen.
Die Schrift enthält nichts Neues. Eigenthümlich ist nur der Versuch, den der Verf.
auf S. 7 stg. unternimmt, das prätorische Edikt mit dem altrömischen Verwahrungsvertrage

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