Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

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Bemerkungen zum Sachsenspiegel.
und Aehnliches gilt von den Versen eilf und zwölf, wo, statt des
Wortes alsüs, durch Einschaltung des Wortes siech der Reim sich
leicht ergänzen läßt. Vielleicht waren jedoch hier ursprünglich, mit
einer Verstellung der Worte des zwölften Verses, ahmst und ver-
M't auf einander gereimt. Endlich im dreizehnten und vierzehnten
Verse bedarf es, um den Reim vollständig ans Licht treten zu las-
sen, nur der unverkürzteren Aussprache der Endworte: untveit und
he it, für das apostrophirte he’t.
Der bloße Zufall aber kann unmöglich diese Verse diktirt Ha-
ben, und der Zweifel, ob nicht durch ähnliche kleine Abänderungen der
Worte, wie wir sie hier in Vorschlag gebracht haben, etwa auch
noch anderwärts, oder gar überall der Text des Sachsenspiegels
in ähnliche Verse gezwungen werden könne, hat sich uns bei allen,
deßhalb angestellten Versuchen, als völlig unbegründet erwiesen.
Wir können uns also in der Behauptung nicht wohl irren, daß
unser Artikel hierin wirklich etwas ELgenthümliches hat. Da-
gegen ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß er vom Anfänge an
etwas ganz isolirt und für sich bestehendes gewesen sein sollte.
Vielmehr werden wir, durch die Form seiner Abfassung, zu der
Vermuthung hingeführt, daß uns in ihm ein Bruchstück eines grö-
ßeren Aufsatzes über deutsches Recht aufbewahrt sei, welcher Ln
ähnlicher Weise in deutschen Versen geschrieben war, wie der vetus
auctor in lateinischen. — Doch müssen wir freilich, da wir selbst
keine näheren Ausweise hierüber zu geben im Stande sind, uns
begnügen, die Aufmerksamkeit derer hierauf geleitet zu haben, de-
nen zu weiteren Nachforschungen bessere Gelegenheit als uns zu
Theil geworden ist.
Was nun aber die beiden, in Frage gestellten Wörter anbe-
trisst, so wird misel durch lepra erklärt vgl. Wackernagel, vo-
cabularius optimus (Basel 1847. 4.) pag. 40 et 41, s. auch Die-
fenbach H. S. 75. — Daher wird unser mesel-sek oder „mißel-
sichtig, mißel-süchtig" auch in der oben angeführten Stelle deS vetus
auctor, im Vergleiche zu dem Görlitzer Lehnrechte, durch leprosus
wiedergegeben, und das Wort ist noch jetzt im badischen Oberlande
ganz gebräuchlich, wiewohl es eine mehr moralische Bedeutung dort
angenommen hat. Man bezeichnet damit einen Menschen von wi-
derlichem Charakter, besonders insofern Letzterer schon in der äuße-
ren Erscheinung des Subjektes sich ausgesprochen findet.

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