Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Reyscher:
halt der Benedict'schen Deklaration) überhaupt Bezug genommen
worden, war wohl sehr natürlich, da von dem Urtheile der Con-
gregatio» die Erledigung der in dem Dekrete Benedicts nicht ent-
schiedenen Ehesachen abhängig war. Eine Ausdehnung des De-
krets auf Deutschland geht daraus keinen Falls hervor.
Unbeschadet aller dieser Erwägungen, welche wir der Un-
parteilichkeit und dem Ernste der Sache schuldig zu sein glaubten,
zweifeln wir keinen Augenblick, daß der päpstliche Stuhl ein glei-
ches Zugeständniß, wie er es rücksichtlich Hollands und der west-
lichen Diöcesen Preußens gemacht hat, an sämmtliche deutsche
Staaten zu machen geneigt wäre, wenn es sich davon handelte,
damit die allgemeine Einführung der Civilehe abzuwenden. Die
Civilehe als anomale Form bei gemischten Ehen würde weni-
ger Anstoß finden, wofern yur die kirchliche Form als Regel bei-
behalten bliebe. Allein dann würde der Mackel auf der gemischten
Ehe um so sicherer haften, weil die Staatsgesetzgebung die aus-
nahmsweise Behandlung sanktionirt hätte. Wir glauben nicht,
daß eine solche Zurücksetzung der gemischten Ehen zwischen Katho-
liken und Protestanten auf dem Standpunkte des Staats begrün-
det wäre; wir glauben auch nicht, daß sie gerecht wäre. Wenn
einmal die Staatsgesetzgebung von der Ansicht ausgeht, daß die
kirchliche Einsegnung der Ehen für deren bürgerlichen Bestand not-
wendig sei, daß also die Einholung der religiösen Weihe nicht
bloße Gewiffenssache, noch bloße kirchliche Vorschrift sein dürfe,
sondern zum Zwangsgesetze zu machen sei, so kann von diesem
Gesetze keine Ausnahme gemacht werden zu Gunsten oder vielmehr
zum Nachtheil einer Gattung von Ehen, blos deßwegen', weil Chri-
sten verschiedner Confessionen in ihr zusammentreten, während doch
die rechtlichen Wirkungen die gleichen sein sollen. Die Zurück-
setzung wäre auch nicht gerecht, weil doch wohl angenommen wer-
den muß, daß die gemischte Ehe auf derselben sittlichen Grundlage
beruhe, wie eine andere Ehe, daß sie überhaupt Ehe, d. h. eine
echte, gesetzliche Verbindung von Mann und Frau ist, und daher die-
selben Wirkungen äußert, welche sonst der Ehe zugeschrieben werden.
Die Einführung einer spezifischen Form für die gemischte Ehe
wäre endlich ganz unmotivirt auf dem Standpunkte des kanoni-
schen Recht-, wonach überhaupt zur Eheschließung die Einsegnung
oder eine andere active Cooporation von Seiten der Kirche nicht

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