Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Reyscher:
dictio sacerdotalis), indem es die Ehegatten eimahnt, bevor sie den
priesterlichen Segen im Gotteshaus erlangt haben, nicht zusammen
zu wohnen. Diese Segnung wird in Form von Segengebeten nach
dem römischen Ritual mit der Messe für die Eheleute verbunden,
nach den Diözesanritualien aber gewöhnlich dem Trauungsakte un-
mittelbar angehängt. Bei Eingehung der zweiten Ehe, namentlich
wenn die Braut Wittwe ist, fallen die üblichen Segengebete hinweg;
abermals ein Beweis, wenn es anders dessen bedarf, daß die Ein-
segnung nach katholischem Kirchenrecht zur Eheschließung nicht er-
fordert wird. Gleichwohl ist die Einsegnung ein uralter kirchlicher
Gebrauch, und wir glauben uns nicht zu irren, wenn wir anneh-
men, daß die Zusage der katholischen Kindererziehung bei gemischten
Ehen in vielen Fällen von dem protestantischen. Theil nicht ertheilt
worden wäre, wenn nicht der katholische Theil jenem Gebrauch ein
so großes religiöses Interesse beigelegt hätte.
Die neue Anordnung entzieht nun aber der gemischten Ehe
nicht blos die Einsegnung, sondern überhaupt die kirchliche Feier
ganz und gar. Auf den ersten Anblick scheint dadurch der Vorwurf
der Inkonsequenz und mißbräuchlicher Nebenabsichten wcggeräumt
zu sein, indem die Mißbilligung der Mischehen durchweg ausge-
sprochen ist, und nicht mehr soll abgekauft werden können durch eine
vorgängige Verpflichtung gegenüber der katholischen Kirche, welche
so wenig ehrenvoll für denjenigen ist, der sie eingeht, als für die
Kirche, zu deren Gunsten sie gefordert wird. Wenn aber die ge-
mischte Ehe in den Augen der Kirche so sehr verwerflich ist, daß
sie ihr jede Weihe vor dem Altar und namentlich jene Gebete ver-
sagt, deren eine mißliche und gefährliche Verbindung doppelt be-
dürftig ist, warum erklärt die Kirche nicht lieber eine solche Ehe
für nichtig, wie sie die Ehe wegen anderer Hindernisse geradezu
für unzuläßig erklärt, z. B. die Ehe zwischen Christen und Juden?
Warum soll eine gemischte Ehe sogar noch privilegirt werden durch
den Wegfall des kirchlichen Aufgebots, das durch ein allgemeines
Kirchengesetz vorgeschrieben und eigens dazu bestimmt ist, die Hin-
dernisse zn erfahren, welche der Verbindung entgegenstehen? Ein
indirektes Verbot liegt jetzt schon darin, daß der Geistliche selbst
seine passive Assistenz versagen kann, wenn die eidliche Zusage
von dem evangelischen Theile verweigert wird. Welchen legisla-
tiven Werth sollte aber noch der Vorbehalt der passiven Assistenz

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