Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

Bemerkungen zum Sachsenspiegel. 3
rechtlichen Erbfolge noch ausgeschlossen. Zwar fügt der Artikel
hinzu, daß dieß nur von denen gelte, bei denen die Verstümmelung
oder Krankheit bereits bei ihrer Berufung zur Succession vorhan-
den war; daß hingegen später eintretende Krankheit den Verlust
des Lehens und Erbes nicht zur Folge habe. Man könnte daher
geneigt sein, jene milderen Bestimmungen der übrigen, vorhin an-
geführten Quellen, ebenfalls nur von dem Nichtverluste des Gutes
bei einer erst später eintretenden Krankheit u. s. w. zu verstehen.
Allein da diese Quellen mit keinem Worte auf den, in unserem Ar-
tikel gemachten und dennoch in der That nahe genug liegenden Unter-
schied zwischen Eintreten des Uebels vor oder nach der Erwerbung
des Gutes hindeuten; so ist auch nirgends ein Grund vorhanden,
sie nur auf Fälle der letzteren Art zu beziehen, und sie hierdurch
in Übereinstimmung mit unserem Artikel zu zwingen. Im Gegen-
theile sind wir genöthigt, ihren Bestimmungen gegenüber, die un-
seres Artikels wirklich als abweichend von jenen, und als die des älte-
ren, strengeren Rechts anzuerkennen. Auf den vetus auctor und
die übrigen Quellen scheint mithin schon der stiber Feudomm Ein-
fluß geübt zu haben, vgl. II. F. 36: Mutus et surdus, caecus, clau-
dus, vel aliter imperfectus, etiam si sic natus fuerit, totum
feudum paternum retinebit; Obertus et Gerhardus et multi alii.
Quidam tamen dicunt, eum qui talis natus est, feudum retinere
non posse, quia ipsum servire non valet.
Noch mehr aber bestärkt werden wir hierin, wenn wir die
ganze Fassung des Artikels betrachten, und wir glauben da-
durch, daß wir auf das Besondere, wodurch auch diese sich aus-
zeichnet, und was wir bisher noch nirgends hervorgehoben gefun-
den haben, aufmerksam machen, einen nicht ganz außer Acht zu
lassenden Beitrag zur Geschichte unseres Rechtsbuches zu geben,
obgleich es hier nur um einen, erst später tu Letzterem eingeschal-
teuen Artikel sich handelt.
Zuerst sei es uns jedoch erlaubt, noch eine Bemerkung über das
Wort dvei'A (Zwerg) voraus zu schicken, welches gleich zu An-
fänge unseres Artikels vorkommt. —Es ist wohl unleugbar, daß
in den deutschen Dialecten die Buchstaben f und v nicht selten in
st»-ob und g umlauten. Denn so findet sich für Stift, Sticht; für
schiften, schichten; für Gerüffte, Gerüchte; aber auch swiften, im
Niebelungenliede für swigen, ebendaselbst rftve für rüste; desglei-
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