Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Souchay:
fessionen stattfinde, denen die Brautleute angeboren, noch da-
von, daß gerade ein katholischer, oder dort ein protestantischer
Geistlicher traue; sondern vor Einführung der Civilehe war
zu einer gesetzlich gültigen Ehe, wenn ihr sonst nichts im Wege
stand, Eine kirchliche Trauung durch Einen Geistlichen,
gleichviel ob protestantisch oder katholisch, genügend. Der
Vorschlag des Hrn. v. Linde würde demnach keine neue
Aushülfe geboten, wohl aber den Grundsatz gesetzlich ausge-
sprochen haben', daß ein Geistlicher die Trauung verweigern
dürfe, wenn schon ein Grund dieser Weigerung nicht in den
Staatsgejetzen, sondern lediglich in den Grundsätzen einer ge-
wissen Kirche zu finden sei. Praktisch war jenes Aushülfs-
mittel noch viel weniger. Denn einer Braut oder einem
Bräutigam, denen die Trauung von ihrem Geistlichen ver-
weigert wird, fällt es viel leichter, sich einstweilen mit der
Civilehe zu begnügen, als mit der Trauung durch den Geist-
lichen einer anderen Confession. Viele würden dieses Letztere
mit einem Austritt aus ihrer Kirche gleich betrachten und wenn
sie diesen Austritt vornehmen wollen, so giebt es dazu schon
ohnedem einen gebahnten Weg.
§. 4. Deutsche Grundrechte.
Ehe noch die Großh. hessische Regierung mit ihrem neuen Gesetz-
buch zu Stande gekommen war, brach die Bewegung des Jahres 1848
aus. Wie allgemein die Ueberzeugung der deutschen Nation war,
daß der kirchliche Hader um die Eroberung ungeborner Kinder zu
beendigen und der Friede unter christlichen Glaubensgenossen herzu-
stellen sei, ergiebt sich daraus, daß der §. 20. der Grundrechte wegen
Einführuirg der Civilehe von der Nationalversammlung angenommen
wurde, ohne daß nur Jemand ein Wort darüber verlor, während
man im Allgemeinen nicht von den Erörterungen über die Grund-
rechte sagen kann, daß sie in hastiger Eile stattgefunden hätten, und
während der Inhalt dieses Paragraphen viel durchgreifender ist,
als frühere Vorschläge waren. Er lautet:
„Die bürgerliche Gültigkeit der Ehe ist nur von der Vollziehung
des Civilactes abhängig; die kirchliche Trauung kann nur
nach.der Vollziehung des Civilactes stattfinden.
Die Religionsverschiedenheit ist kein bürgerliches Ehehinderniß.

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