Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Hünersd o r f:
ihr in der gegenwärtigen schweren Zeit, wo nur die Waffengewalt
das Gesetz diktirt, allerdings nichts Anderes übrig, als sich der
Rückkehr zum alten Bundestage — dem von seinen eigenen frühe-
ren Theilnehmern so oft als ein verunglücktes und haltloses In-
stitut bezeichneten und verächtlich zur Seite geschobenen — mit einer
jedes innere Widerstreben niederkämpfenden Resignation zu unter-
werfen; so möge wenigstens das Beispiel einer solchen Resignation,
wie vielleicht die Geschichte aller Zeiten kein ähnliches aufzuweisen
hat, auch den deutschen Machthabern zum nachahmungswerthen
Vorbilde dienen, so mögen auch sie, — eingedenk ihrer noch in
der Mitte des Jahres 1849, wo bereits die Sturme der nächst-
vorhergegangenen politischen Aufregung vorübcrgebraust waren,
auf das Feierlichste ertheilten Verheißungen — nur darin einige
Nachgiebigkeit zeigen, daß sie nicht ferner die Erhaltung und För-
derung ihrer dynastischen Interessen der endlichen Befriedigung des
gerechten Anspruchs der Nation auf eine, die allgemeine Ruhe und
Wohlfahrt, und vor Allem vollständige Rechtssicherheit, ver-
bürgende Verfassung voranstellen."
Seine Worte ernster Mahnung sind, gleich denen vieler andern
aufrichtiger Rechts- und Vaterlandsfreunde, wirkungslos verhallt,
und Pfeiffer selbst gelangt in einem späteren, der Darstellung der
Entwickelungsgeschichte des Absolutismus in Deutschland gewid-
meten Aufsatze: „der alte und der neue Bundestag" —
abgedruckt in Arndt's Germania Bd. II. S. 123 flg. — zu dem
traurigen Resultate, daß mit dem neuen Bundestage und der
durch diesen herbeigeführten Unterordnung des Rechtsschutzes
unter die Regierungsgewalt, der Absolutismus in Deutschland zur
„vollen Manneskraft" herangereift sei. „Die unzweideutigsten Zeug-
nisse in Schrift und That weisen darauf hin, und ganz unverholen
wird es als Marime der Herrschermacht, soweit dieselbe in ihrer
Ausübung sich über ganz Deutschland ausdehnt, wie in so vielen
Einzelstaaten, ausgesprochen, daß es gegenwärtig, wo nicht allein,
doch vorzugsweise nur auf die eifersüchtige Wahrung und unver-
letzliche Erhaltung der dynastischen Interessen ankomme, gegen-
über dem Ansprüche und der Geltendmachung von Volks rechten
und Volks f reih eiten, die man in dieser neuesten Zeit als re-
volutionäre Ideen zu betrachten sich gewöhnt hat und in diesem
Sinne mit der „Revolution", nöthigenfalls durch der Waffen Ge-

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