Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

386

Köstlin:
Buße früher und später außergerichtliche Sühnen vorgekommen
seien m), sowie daß zwei verschiedene Bußsätze Vorkommen,18),
deren einer (das Wergeld, die capiti» aestimatio) n9) der höhere
ist, vielleicht auch das, daß die Buße im e. S. (im Unterschiede
vom Wergeld) sich ursprünglich auf bloße Rechtsbrüche bezogen
und die Bedeutung eines pretium contemtus gehabt habe ,2°). Eine
ganz andere Frage ist aber die, ob das Wergeldssystem als ein erst
allmälig aus der Sitte aufgenommenes, hinterher gesetzlich firirtes
anzusehen sei ? Diese Behauptung, welche mit der schon ob. (S. 376)
angef. über das erst spätere Entstehen der Magenbürgschaft verbunden
wurde, ist ohne Beweis geblieben ,2t). Im Gegentheil liefert der
Bericht des Tacitus einen Gegenbeweis. Denn will man auch
nicht, was das Nächstliegende ist, c. 12 und 21 unmittelbar in
Verbindung bringen, so ist doch jedenfalls schon in c. 12 in den
Worten vel propinquis ejus exsolvitur die Todtschlagsbuße (das
Wergeld) angedeutet und unter den Begriff der gerichtlichen Buße
subsumirt. Man hat aber keinen Grund, nicht noch weiter zu
gehen und die satisfactio, quam universa domus accipit, (S. 21)
eben mit der pars mulctae, quae propinquis exsolvitur, zu identisi-
ziren und hiernach auch das Wergeld von vornherein für eine ge-
richtliche Buße122) zu halten, um so mehr, da Tacitus das Institut
der Magenbürgschaft (Theilnahme am Wergeld), das für ursprüng-
lich gehalten werden muß, ausdrücklich damit in Verbindung bringt.
Muß man hiernach Wergeld und Buße prinzipiell für iden-
tisch halten, so kann ferner der Buße kein anderer Charakter bei-

117) Form. Marculf. II, 18. Lindenbr. 82. vgl. Marculf.
app. 23. 51. Bignon. 7. 8. Lindenbr. 124.
118) Waitz, R. d.' sal. Franken S. 189.
119) Grimm, R.A. S. 650—655. Gaupp, Ges. d. Thüringer ß. 19.
Schaumann, Zeitschr. f. gesch. R.Wiss. XI. S. 362 ff. u. Grimm,
eb. S 385 ff.
120) Wild a' S. 341. 347-354. 357-365. Waitz, R. d. sal. Franken
S. 190 ff. Gengler a. a. O. S. 364. not. 13.
121) Weiske, dem Wilda hier folgte, will sogar umgekehrt die Buße
für das Spätere, das Wergeld für das Aeltere angesehen wissen.
122) Daß daS Wergeld gleichwohl gegenüber der "Injurien- oder Feind-
schaftsbuße" noch eine spezifische Bedeutung haben konnte, (Gengler
a. a.O. S. 363. not. 10.) ist damit nicht ausgeschloffen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer