Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

362

Renaud:

Bedarf es nach dieser Ausführung im Falle eines vollstän-
digen Beweises des Untergangs des Papiers eines Mortifications-
Verfahrens nicht 117), so leuchtet es dagegen von selbst ein, daß
der Gläubiger öfter wegen der Unmöglichkeit vollständiger Nach-
weisung des Zufalls, der ihn betroffen, von der Geltendmachung
seines Forderungsrechts ausgeschlossen sein wird. Zur Abwendung
dieses Uebelstandcs ist denn durch mehrere Particularrechte ° ein
Mortifications-Verfahren zu Gunsten des Gläubigers, welcher den
Zufall, der die in seiner Jnnehabung befindliche Urkunde betroffen,
zu bescheinigen vermag, eingeführt worden. Daß dieses Verfahren
aber mit dem früher besprochenen Amortisations-Verfahren unrich-
tig zusammengeworfen wird, bedarf keiner weitern Ausführung,
da dasselbe keineswegs als präparatorisch für den Eigenthums-
Streit erscheint, und daher auch durch solche Gesetzgebungen ge-
stattet wird, welche die Vindicatio» der Papiere auf den Inhaber
und die zu diesem Zwecke gegen den unbekannten Besitzer stattfin-
dende Procedur ausschließen u8).
§. 7.
Fortsetzung. Die Verwandlung der Obligationen
auf den Inhaber in gewöhnliche Obligationen.
Durch den erwiesenen Untergang oder die Mortification einer
au xorteur lautenden Schuldverschreibung verliert die darin beurkun-
dete Forderung ihren Charakter als Obligation auf den Inhaber;
sie ist nunmehr mit der Person des dermaligen Gläubigers fest
verknüpft und kann sonach zwar wohl cedirt, nicht aber veräussert
werden, da die Veräusserung des Papiers, mittelst welcher allein
eine Singular-Succession in das Forderungsrecht sollte stattfinden
können, unmöglich geworden ist. In dieser Hinsicht werden aber
die Duplicat-Scheine wichtig, zu deren Auslieferung particularrecht-
lich der Schuldner verpflichtet ist, indem mittelst des ausgestellten

117) Anders partieularrechtlich, wie z. B. nach dem Sächf. Befehle
vom 25. Juli 1777.
118) Rathsverordnung der freien Stadt Frankfurt vom
"8. Juli 1817. Art. 2 u. 4.

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