Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

326

Renaud:

Wesentlichen ihre Richtigkeit; es ist namentlich im Allgemeinen rich-
tig, daß öffentliche Schuldscheine auf den Inhaber Gegenstand des
Handelsverkehrs sind, daß die Veräußerung derselben nach dem
CurSpreise geschieht, daß durch jene Veräußerung alles Recht des
bisherigen Inhabers aufhört, und daß es endlich eines äußern
Zeichens der Uebertragung hier nicht bedarf. Dessenungeachtet muß,
wie schon von Andern bemerkt, nicht aber in zureichender Weise
ausgeführt worden, in Abrede gestellt werden, daß die Function
der Schuldscheine auf den Inhaber als Handelswaare für deren
rechtliche Natur von wesentlicher Bedeutung sei. Zwar kann auf
den Einwand Dunk er's 27), daß diese Ansicht es unerklärt lasse,
warum der Verlust des Schuldscheins den Verlust der Forderung
nicht nach sich ziehe, deshalb kein Gewicht gelegt werden, weil der
letztere Satz keineswegs unbestritten ist; wohl aber erscheint es von
vorn herein als verwerflich, die thatsächliche Function der
Schuldscheine auf den Inhaber, als Gegenstand des Handelsver-
kehrs, mag man dieselbe für eine zufällige28) oder für eine in der
ursprünglichen Bestimmung der öffentlichen Papiere liegende 29)
halten, zu einem juristischen Princip zu erheben. Dieß ergiebtsich
schon daraus, daß bei solchen Papieren auf den Inhaber, welche,
wie Urkunden über vereinzelte nicht wechselrechtliche Verbind-
lichkeiten, entschieden nicht als Gegenstände des Handelsverkehrs
Vorkommen, doch die eigenthümlichen und charakteristischen Grund-
sätze sich wieder finden, daß durch die Veräußerung des Papiers
alles Recht des bisherigen Inhabers aufhört, daß ferner Einreden
aus dessen Person nicht möglich sind und daß es endlich hier eines
äußern Zeichens der Uebertragung nicht bedarf. — Abgesehen hie-
von ^ber beruht jene Meinung auf einer verkehrten Auffassung der
Verhältnisse. Denn offenbar ist in der Eigenschaft der öffentlichen
Papiere auf den Inhaber als Maare kein civilistischer Grund für
jene eigenthümlichen Rechtssätze zu finden, währenddem umgekehrt

27) In dies. Zeitschr. Bd. V. S. 49.
28) Schümm, die Amortisation verlorner oder sonst abhanden gekommener
Schuldurkunden, (Beilageheft zu Bd. XIII. des Arch. f. die civ.
Prax.), S. 49.
29) Pfeiffer, pract. Ausführungen, Bd. I. S. 45 flg.

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