Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Verfassung und Recht auf Helgoland.
Minister, Ln Rechtssachen, als sog. Appeals ex gratia, by the Queen
in Privy Council, oder eigentlich beim Rechtsausschusse des
Geheimenraths der Königin. Die Kosten einer solchen Berufung
sind aber so groß, daß nicht leicht Jemand zur Betretung dieses
Weges sich entschließe, zumal auch in London die Kenntniß von den
Helgoländer Rechten und Verhältnissen nicht gar weit über Null
zu stehen scheint. — Vor einigen Jahren hat man einen Theil der
alten Beliebungen und Verordnungen ins Englische übersetzen las-
sen; aber der Ucbersetzer war ein Helgoländer Candidat der Theo-
logie: man kann denken, wie seine-Arbeit beschaffen sein mag. Diese
Sammlung ist der Rechts-Coder des Gouvernement-Hauses, und
daraus gehen die Berichte nach London. Wie die Kosten sind, mag
man daraus entnehmen, daß die bloßen Abschrifts- und Unter-
schriftsgebühren einen Helgoländer Geldbeutel erschöpfen können:
Abschriften kosten einen Schilling oder zehn Silbergroschen p. Blatt,
d. h. p. 70 Worte, jede Unterschrift ein halb Pfund Sterling. Da-
bei erhielt der obsiegende Appellant nicht einmal die Kosten ersetzt.
Dieß ist erst im Juni 1853 durch eine Geheimeraths-Anordnung
geändert worden. Auch ist man auf Kostenersparung bedacht ge-
wesen: die betreffenden Verhandlungen rc. sollen nämlich in be-
glaubigter Abschrift eingesandt und dann in hundert Eremplaren
für die Gerichtsmitglieder rc. gedruckt werden. — Als 1848 bei
Berathung der Removal of aliens bill ein Parlamentsmitglied die
Einwendung machte, die gestattete Berufung an den Geheimenrath
bei Ausweisungen werde eine Geschäftsüberhäufung herbeiführen,
konnte der Marquis von Landsdown die charakteristische Gegenbe-
merkung wagen: wenn es keine respektable Personen seien, würden
sie die Kosten der Appellation nicht aufbringen können.
Das Kirchen- und Schulwesen der Insel stand früher unter
dem Unter-Consistorium zu Husum und dem Ober-Consistorium zu
Gottorp. Dort war auch die sog. geistliche Gerichtsbarkeit in Ehe-
scheidungssachen, Verlöbnissen rc. Jetzt ist das Alles weggefallen.
Der Schulbesuch hängt in Wirklichkeit nur vom guten Willen ab.
Der letzten Kirchenvisitation erinnern sich nur noch die ältesten Leute.
Für Ehescheidungen und dergleichen fehlt es überhaupt an einer
Behörde. In den dreißiger Jahren machten die beiden Prediger
aus der Roth eine Tugend und traten mit zwei Mitgliedern des
Raths zu einer.Art Consistorialgericht zusammen. Allein der jetzige

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