Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Delbrück:

der technische Name der Klage auf Rückgabe gestohlenen oder ge-
raubten Guts. Zu dieser Meinung geben freilich die Quellen ei-
nige Veranlassung, Uebereinstimmend erklären der vermehrte Sach-
senspiegel (Ortl. IV. 42. ä. 1.) und die Goslarschen Statuten
(Göschen S. 98. Z. 15.): von rechte sal man keyn gut anefangen,
wen dubig gut adder geroubet gut. In anderen Rechtsquellen
dagegen findet fich diese Beschränkung nicht, vielmehr lassen sie den
Anfang zu auch im Falle der Veruntreuung Seitens des Gesin-
des 56), hei verloncn 57), weggeschwemmten s8), irrthümlich mitge-
nommenen Sachen ^), und bei flüchtig gewordenem Vieh; ja ein
Magdeburger Schöffenurtheil (Böhme VI, 129.) erwähnt des An-
fangs bei einer Klage der nächsten weiblichen Verwandten der Erb-
lasserin auf Herausgabe der Gerade gegen die Erben, und der
Nichtsteig Landrecht 11. sagt allgemein:
Wiesz, das etlieh lewt sagen, das anfangk an kein ding ge-
scheenn muge von rechte, dan an dem das gestolen ader ge-
nommen ist. Das ist nicht war, wann ein itlich mann mag
sich des seinen mit recht wol unterwindeu, wo er es dann
ankumet 6Ü).
Man hat geglaubt, hier einer eigenthümlichen rechtsgcschicht-
lichen Entwicklung zu begegnen; allein dagegen sprid)t schon das
Altersverhältniß obiger Quellen zu einander. Mit einigem Scheine
könnte man nur etwa sagen, die Sache sei kontrovers gewesen.
Aber auch das möchte nicht ganz richtig sein; die Sache verhielt
sich vielmehr, wie ich glaube, so. Gegen den dritten Besitzer einer
beweglichen Sache war die Klage des Eigenthümers auf Rückgabe
nur dann zulässig, wenn er behaupten konnte, daß er den Besitz
derselben ohne seinen Willen eingebüßt habe. Das freiwillige Lassen
aus der Gewere und der unfreiwillige Verlust des Besitzes bilde-
ten also einen fundamentalen Gegensatz. In dieser allgemeinen
man beim Anfang hauptsächlich an die Klage gegen einen Dritten
dachte. GoSl. Stat. S. 82, Z. 13—15. S. 98, Z. 36-38.
56) Sachsenfp. III, 6. §. 1. — Schwabens. (Laßb.) 259. — Saals. Stat.
12. (Walch I, 17.)
57) Sächs. Landr. II, 37. §. 1. - Richtst. 12.
58) Sächs. Landr. II, 29.
59) Sächs. Landr. III, 89.
60) Bgl. Magd. Schöfsen-Urth. I, 13.

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