Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

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Kompe:

entgeldlich überlassen. (Verordnung vom 19. November 1773. §3.)
K. hält die gerichtliche Konfirmation für nöthig; auch dürfe der
Pflichttheil nicht verkürzt werden. Geschehe aber der Anschlag durch
den Vormund, so komme auch eine Verletzung über die Hälfte in
Rückficht, und es sei nicht nöthig eine Verkürzung im Pflichttheile
zu zeigen.

8. 7. Kritik der Ansicht E stors.
Wenn Estor a. a. O. III. §. 756. sagt, daß der Gutsanschlag
auch durch letztwillige Verfügung geschehe, so wird das, wie auch
noch für die spätere Zeit und heut zu Tage, nur dann anzunehmen
sein, wenn den rüstigen Besitzer eine Krankheit überfiel und er die
Erbfolge ins Gut alsbald geordnet wünschte. In diesem Falle
mochte, zumal wenn der zum Nachfolger bestimmte Erbe noch min-
derjährig war, eine Ausnahme wohl gerechtfertigt erscheinen, wobei
auch vielleicht noch das Motiv influirte, für den Fall der Genesung
nicht durch einen Vertrag gebunden zu sein, während das Testament
einseitig widerrufen werden konnte. Die Regel ist nach der Natur
und dem Zwecke des Gutsanschlags, daß letzterer bei lebendigem
Leibe geschieht (siehe unten §. 10.).
Nach dem Zeugnisse Estors a. a. O. sind die Gutsanschläge
auch mündlich und außergerichtlich geschehen. In Beziehung auf
den außergerichtlichen Abschluß des Vertrags fügt Möller a. a.O.
8 17. hinzu: acoeckente praetecti confirmatione.
Indessen hatte schon Landgraf Herrmann in den für die Stadt
Kassel gegebenen Statuten von 1384 (Landes-Ordnungen I. 5.)
verordnet: „alle willkore (Verträge) sal keine macht han, sy en
geschehe dann vor Gerichte, adir mit Volbort des Gerichtis." Es
wurden also die Grundsätze des fränkischen Rechts über Auflassung
zur Anwendung gebracht. Dieselbe Vorschrift enthält die Contrakten-
Ordnung von 1732. Indessen mögen wohl auch noch nach dieser
Contrakten-Ordnung und nach der in*der Verordnung vom 17. März
1767. §. 36. wiederholten Vorschrift außergerichtliche, schriftlich oder
mündlich verabredete Anschläge vorgekommen und von den Bethei-
ligten in Kraft und Ansehen erhalten worden sein. Nur kann man
einem solchen rein faktischen Zustand, der gegen die ausdrückliche
Vorschrift der angeführten Gesetze verstoßt, rechtliche Geltung nicht

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