Full text: Volume (Bd. 14 (1853))

Gutsanschlag. 163
inter liberos; denn das Gut geht schon bei Lebzeiten des Besitzers
über, es findet alsbald ein vertragsmäßiger Erwerb statt, welcher
einseitig nicht rückgängig gemacht werden kann, während bei der
divisio parentum inter liberos andere Grundsätze gelten.
Noch weniger erscheint er, wie Wolf d. Pr. Recht I. §. 204.
behauptet, als donatio sub modo, weil gar nichts geschenkt, sondern
durch den Gutsanschlag nnr das Erbrecht vertreten wird.
Insofern aber die Gutsübergabe einen Kauf oder eine Schen-
kung enthält, unterliegt er den Grundsätzen des gemeinen Rechts '*).
§. 3. Von der rechtlichen Natur des Guts-
anschlags.
Schon frühe z. B. von Hombergk zu Vach, diss. de quäl,
reali, quae pact. successor, inest (1754) wurde bei Beurtheilung der
rechtlichen Natur des Gutsanschlags der Gesichtspunkt einer anti-
cipirten Erbfolge hervorgehoben und h. z. T. gilt diese Ansicht als
die herrschende t3).
Von diesem Ausdrucke kann man wohl mit Recht sagen, daß
er mehr verspricht, als er hält. Die anticipirte Erbfolge, wenn
man von einer solchen überhaupt reden kann, unterscheidet sich nem-
lich von der gewöhnlichen nur dadurch, daß sie die Successionszeit
erfrüht, mithin gegen den Satz anstößt: „viventis bereditas non
datur.“ Uebrigens beruht sie auf denselben Grundregeln, wie die
gewöhnliche Erbfolge. Wendet man die Grundsätze, welche aus dem
Prinzip der sog. erfrühten Erbfolge sich ergeben, auf den Guts-
anschlag konsequent an, so erhellt deutlich, daß der letztere eine an-
ticipirte Erbfolge nicht begründet. Denn der UebernehmerAerscheint
keineswegs als Repräsentant der juristischen Persönlichkeit des
Uebergebers; es treten für ihn und seine Geschwister die Folgen
nicht ein, welche mit dem Tode des Erblassers sonst verknüpft sind.
Besele r, Erbverträge II. 2. S. 205 sagt deßhalb mit Recht, daß
diese Ansicht auf einer Fiction beruhe. Durch das Abtreten des

12) Pfeiffer, pr. A. VIII. S. 334.
13) Vergl. Runde, Leibzucht; Häusel, Lehre vom Auszuge S. 27.
Phillips, d. Pr. R. II. S. 436. Eichhorn, Cinl. in da»
deutsche Privatrecht §. 365.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer