Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

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Bemerkungen zum Sachsensplegel.
pelkindern, als ein kleiner Mann erscheine. Von solchen Wechsel-
kindern glaubte man, daß sie nicht über sieben Jahr (nach Ande-
ren nicht über neunzehn) alt würden. Vgl. Grimm, Sagm-I,
Nro. 81.
II. Gegenstand dev Collation, zu Buch I. Art. 10.
12. und 13.
Der Art. 10 sagt: Gift de vater sime sone kledere unde ors
unde perde unde harnasch to der tiet, als he is bedarf unde et
mitten mach, unde it de vader geven mach: stirft sint sin vader;
he ne darf des nicht delen mit sinen brüderen, noch
sines vaters herren wedergeven, noch des vader erven, of he ei-
nem e vater nicht evenburtig nis, al si he von einem vader
ungesceden mit sime gute.
Die Fassung der Worte anbelangend müssen wir vor Allem
bei diesem Artikel bemerken, daß mit den Worten „zu der Zeit,
wo . . . der Vater es geben kann" keineswegs darauf
Hingedeutet werden soll, daß der Vater jene Gegenstände Habe«
müsse, um sie geben zu können. Denn dieß würde sich ganz von
selbst verstanden Haben. Vielmehr beziehen sie sich auf den be-
kannten deutschrechtlichen Grundsatz, daß die Fähigkeit über sein
Vermögen zu verfügen nur demjenigen zukomme, der geistig, sowie
körperlich noch vollkommen bei Kräften ist. Vgl. Sachsensp. I.
52. 8. 1. Grimm, Weisthümer I. S. 13. §. 25. S. 21. §. 29,
S. 46. §. 13. und Abhandlungen der bayr. Akad. VI. — Eine
Vergebung auf dem Krankenlager war völlig ungültig. Vgl. West-
göthalag: Arfth. (bei Collin und Schlyter S. 27) art. 10. A
dözsdaghi ma ikke fra arvä givä at lagmali, num arvi quädär sial-
vär ia vitber. (Am Todestage mag, den Gesetzen nach, nichts von
dem Erbe vergeben werden, wenn nicht der Erbe selbst ja dazu sagt.)
Ebenso gehen aber auch die Worte „zu der Zeit, wo er
(der Beschenkte) dessen bedarf und es nützen kann" darauf,
daß der Beschenkte nicht blos durch sein reiferes Alter, sondern
auch sonst geistig und körperlich befähigt sein muß, von den Ge-
schenken den gehörigen Gebrauch zu machen, daß er also irMe-
sondere nicht durch Verkrüppelung u. s. w. hieran verhindert sein
muß, wenn die Schenkung gültig sein soll.

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