Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

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Weiske:

tes jener Zeit hervorgehoben zu werden, daß man vielfältig darauf
bedacht war, sein Recht sich vorläufig zu sichern. Daher ha-
ben wir die außergerichtliche Pfändung, den Arrest, dessen deutscher
Ursprung nicht zu bezweifeln ist, so auch die bergrechtliche Muth-
ung, die vom Bergmeister auf Recht und Unrecht, vorbehältlich
der Rechte Dritter, angenommen werden muß. Dahin gehört denn
auch die Protestatio».
Bemerkenswertst ist es schließlich, daß unsere Rechtsquelle, ob-
gleich sie der Dokumente öfter gedenkt, dieselben doch nirgends
mit dem Namen Urkunde bezeichnet: indeß findet sich dieser Aus-
druck anderwärts schon früh. Die Urkunden als Dokumente ver-
treten die Stelle der Zeugen, wie schon Rogge, Gerichts-
wesen S. 134 bemerkt. Dies ergiebt sich zunächst daraus, daß
Urkunde den Zeugen bezeichnet (s. oben). Sodann wurden aber
auch die Urkunden regelmäßig von einer gewissen Anzahl Zeugen
unterfertigt. Sehr wahr sagt daher der Schwabsp. c. 139 §. 2:
„Der hantveste machet, der sol ze minsten siben man mit namen
dar an sezen, die geziuge sin." Wie man nämlich seine Aus-
sage oder sein Recht mit Eideshelfern oder Zeugen erwies, so ge-
schah dies auch durch die Schrift, in der dasselbe niedergelegt ist,
was Jemand selb dritt, selb siebend aussagt. Die Urkunde ver-
tritt also diesen letzteren Beweis, und erscheint zugleich als aus
diesem hervorgegangen. Wenn nun auch in der ältesten Zeit Urkun-
den kein regelmäßiges Beweismittel neben dem Eide und den Eides-
helfern waren — und selbst nach dem Sachsenspiegel ist fast gar
nicht vom Urkundenbeweise (durch Brief) die Rede — so wird doch
noch im Mittelalter der Urkundenbeweis sehr wichtig.. Da nun
der Urkundenbeweis den Zeugenbeweis vertrat, oder statt seiner
diente, so mußte auch mit einer Alles ins Klare setzenden Urkunde
gerade so verfahren werden, wie man nach durch Zeugen geführten
Beweisen zu verfahren gewohnt war. Wie also, wenn man sein
Recht, seine Forderung durch Zeugen erwiesen hatte, ohne Einrede oder
Gegenbeweis, den man nicht kannte, sofort die Verurtheilung des
Gegners erfolgte, so verfuhr man auch bei dem Beweise durch
Urkunden; es wurde also der Gegner nach Vorlegung und Aner-
kennung einer solchen Urkunde sofort verurtheilt. Hieraus ist der
Erecutivprozeß hervorgegangen. Die summarischen Prozesse
bestehen nämlich überhaupt vorzugsweise aus deutschrechtlichen Ele-

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