Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

6

Sachße:
Hingegen bei dem Worte altvil, antvil, alwil (vgl. Haupts
Zeitschrift Bd. VI. S. 400) halten wir die erste Schreibart, die
auch durch die meisten Handschriften bestätigt wird, für die rich-
tigste. — Die Wurzel des Wortes ist nämlich hier jedenfalls ein
aus dem Adjektivum alt gebildetes Hauptwort „der Alte". Den-
ken wir uns aber das Adjektivum alt in seiner althochdeutschen
schwachen Form: rnasc. alto, fern, alta, neutr. alta (der, die,
das alte —), und das Hauptwort Alto, nach Analogie der bei
Grimm (Grammat. 2. Ausg. I. S. 624) angeführten Worte;
so erscheint die Endung unseres Wortes als eine bloße Diminu-
tion, vgl. Grimm, Grammatik (2. Ausg.) I. S. 724 (wo unter
den Adjektiven der ersten Deklination auch alt, vetus, angegeben wird)
und S. 729 (schwache Deklination), desgleichen III. S. 665 ff. (Di-
minutiva mit l. und il. gebildet). — Denn die Ableitung o in alt-o
muß nothwendig bei der Diminution in v übergehen, und aus altoilo
demnach altvilo werden, wie aus dem goth. magus (n««§) diminutiv
magvila; aus siuero, dimin. smerwili wird, vgl. Grimm III. 669.—
Das Wort würde folglich im Mittelhochdeutschen, mit Verschluck-,
ung des stummen e, wie in ouge (Auge) diminutiv ougel (Aeug-
lein), nach Analogie von wilit (pumilio), diminutiv wihtel, wichtelin,
übertragen werden müssen in altel, altelin, und nhd. etwa „Al-
terte, oder Altchen" lauten. Vgl. Grimm Gramm. I. S. 749.
(Schwaches Adjectiv erste Declin. nro. 2.) und S. 682. ff. (Anm.
1. und 2.) III. S. 670. und Ziemann mittelhochdeutsches Wör-
terbuch S. 647 (und das Wort wiht und wiehtel). — Beispiele
von Ableitungen auf il finden sich übrigens hauptsächlich bei Grimm
Grammat. II. S. 109 ff.
Auf diese Weise erklärt sich nun aber das Wort aus einem
Aberglauben, über den wir freilich nur aus mündlichen Ueberlie-
ferungen Zeugniß abzulegen vermögen, den wir jedoch gerade in
eurer solchen Gegend gefunden haben, die dem Vaterlande unseres
RechtsbucheS sehr nahe liegt. In der Gegend von Delitzsch näm-
lich, <m der preußisch sächsischen Grenze, sagte man noch vor zwan-
zig bis fünfundzwanzig Jahren von einem Kinde, das recht jäm-
merlich und elend aussah, es leide am „Alterte", habe das „Al-
tert^, oder sei ein „Alterte", womit man ausdrücken wollte,
daß es schon von Geburt wie ein altes Männchen oder Weibchen
aussehe, und dieses Uebel glaubte man dadurch kuriren zu können,

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer