Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

Die Gemein-enuhungen. 61
lag hierin aber der Keim einer Erweiterung der Real- und resp.
Nutzungs-Gemeinde zu einer weitern, vom Besitze von Grund und
Boden oder von Gemeindenutzungstheilen loögebundenen Einigung;—
ober ein Uebergangspunkt von den realen, resp. auf Theilnahme an
der Allmendnutzung basirten Bürgerrechten, zu den personalen.
Je mehr nun der Staat, seinen privatrechtlichen Charakter ab-
streifend, sich zum festen Organismus ausbildete, dessen einzelne
Glieder die Gemeinden waren, desto mehr trat die Idee der Ver-
bindung der Hintersäßen mit den Grund-, resp. Gemeindenutzungs-
Besitzern zu Einer von jeder privativen Basis abgelösten Gemeinde
hervor. — Die Bürgergemeinde trat allmählig in's Leben und ent-
wickelte sich auf dem Lande in ähnlicher Weise, wie dieß schon vor
längerer Zeit in den Städten geschehen war"').
Ein besonderes Berhältniß jedoch trug vorzüglich dazu bei, den
seit Einführung der Einzugs- und der Hintersäßgelder in den Real-
gemeinden liegenden Keim der persönlichen Bürgergemeinden zu
entwickeln. Es war dieses die gesetzlich begründete Unter-
haltungspflicht der Gemeinden ihrenArmen gegenüber.
Trotz der Einzugsgelder nämlich, wodurch die Ansiedelungen
erschwert worden waren, mehrte sich in den Gemeinden die ärmere
Klasse fortwährend, sei es durch das Einziehen fremder durch Krieg
und religiöse Verfolgungen getriebener Familien, sei es durch die
Fortpflanzung der früher» Beisitzer, sei es endlich durch die Verar-
mung früherer Gemeindegeuossen, welche ihren Grundbesitz oder ihre
Gemeindenutzungstheile veräußert hatten. — Als aber die Gemein-
den durch die große Zahl ihrer Beisitzer und durch die Verarmung
ihrer Allmende genöthigt wurden, die jenen bisher gestatteten Nutzun-
gen zu verkürzen, als in den Zeiten des 30jährigen Kriegs Theurung
überall einbrach, als die vielen in Folge der Reformation säculari-

131) In den Städten mußten sich der Natur der Sache nach von vorn
herein die Verhältnisse regelmäßig etwas anders als auf dem Lande
gestalten. Wie hier nämlich nur derjenige vollberechtigtes Ge-
meindeglied war, der Haus und bäuerliches Besitzthum hatte, so
genügte dagegen in den Stadtgemeinden der Besitz eines Hauses,
da durch die Natur des städtischen Lebens Ackerbau und Viehzucht
in den Hintergrund getreten waren. — Das ErforderNiß der
Hausbesitzes war aber in vielen Städten schon frühe weggefallen,

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