Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

s

Renaud:

Und doch gehören die Realgcmeinderechte zu den germanischen
Rechtsinstituten, welche, schon wegen ihres hohen Alters vom höch-
sten wissenschaftlichen Interesse, deßwegen weil sie noch heutzutage
fortleben, weil sie in die mannigfachsten Verhältnisse eingreifen, weil
sie endlich im Kampfe mit modernen Instituten ihre Existenz bah-
nen müssen, zu den practisch wichtigsten Fragen Veranlassung geben.
Einen wenn auch nur schwachen Versuch der Behandlung dieses
Gegenstands, auf welchen der Verfasser durch die Verhältnisse sei-
nes Heimathlandes aufmerksam gemacht worden, liefert der gegen-
wärtige Aufsatz. Daß bei dieser Bearbeitung übrigens auf die alten
markgenossenschaftlichen Verhältnisse, in welchen die Realgemeinde-
rechte ihre Entstehung genommen, zurückgegangen, daß ferner auch
die modernen Institute, mit welchen jene Rechte in Conflict gerathen,
berücksichtigt worden, bedarf wohl keiner nähern Erklärung. -
Sollte aber dieser Aufsatz auch nur den einzigen Nutzen haben,
die Aufmerksamkeit von Befähigtern auf dessen Gegenstand zu leiten,
so würde der Zweck des Verfassers hiermit vollkommen erreicht sein.
I.
Der Gemeindenuhen in seiner geschichtlichen Entwicklung
von den ältesten Zeiten an bis auf den heutigen Tag.
§. i.
Pie ältesten Zustände, die Markgenossenschaften und deren Zu-
sammenfallen mit den Gemeinden.
Es ist gewiß ein unabweisbar wichtiger Gedanke I. Grimm's
(R.A. S. 495), wenn er in Betreff der Güterverhältnisse gegen die
scheinbar widersprechenden Stellen in Caesar de bell. gall.YI. 22 und
Tacitus German, cap. 26 schon tm frühsten Deutschland zwei gleich
nothwendige Richtungen annimmt, wovon die eine auf Erhaltung
der Genossenschaft am Grundeigenthum, die andere auf dessen Ver-
einzelung gieng.
Dieser Dualismus lag nämlich mit Nothwendigkeit in der Natur
der Sache. Währenddem das in lauter Genossenschaften sich ent-
wickelnde germanische Rechtsleben ein genossenschaftliches Eigenthum
am Grund und Boden zu seiner Basis voraussetzte, so rief dagegen
der psychische Trieb des Einzelnen, Etwas das Seine zu nennen,

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