Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

Beseler: Ueber Testamentsvollzieher. 523
Testamente jener Zeit zur Bestärkung seiner Ansicht benutzt, ist doch
wohl auf keinen Fall zu billigen.
3. Wenn unter mehreren Erecutoren verschiedene Ansichten
herrschen, so läßt die gemeine Meinung, der ich mich angeschloßen
habe, die Stimmenmehrheit entscheiden, während Mühlenbruch
(S. 436) jedem Einzelnen die Befugniß beilegt, über seinen
Dissens eine gerichtliche Entscheidung zu veranlaßen. Für wichtigere
Fälle, die sich nicht bloß auf die gewöhnliche Geschäftsführung be-
ziehen, halte ich dieß für begründet, vorausgesetzt natürlich, daß der
Testator nichts Anderes bestimmt hat, — und ich bitte darnach das
in meinem Aufsatz S. 201 u. 202 Gesagte zu berichtigen.
4. S. 441 ff. giebt Mühlenbruch eine weitläufigere Er-
örterung über die Rechtsmittel, welche dem Erecutor und den Erb-
interessenten wegen ihrer gegenseitigen Rechte und Verbindlichkeiten
zustehen. Insofern dabei denn zunächst von dem Princip des Man-
datscontrakts ausgegangcn wird, brauche ich mich hier nicht weiter
darauf einzulassen. S. 447 ist aber gelegentlich von der Verhaf-
tung des nicht salarirten Erecutors die Rede, und dafür scheint,
(denn ganz klar ist die Sache nicht) die Analogie der Vormund-
schaft zur Anwendung gebracht zu sein. Diese möchte nun auch in
der That zutreffender sein, als die vom Mandat hergenommene,
welche von mir S. 205 gebilligt worden ist.
Zu diesen, durch Mühlenbruch's Darstellung veranlaßten
Bemerkungen füge ich noch eine andere hinzu. S. 207, Note 130
habe ich, was die Wirkungen der Bedingungen betrifft, die Testa-
mentslehre für maaßgebend erklärt. Dieß bestimme ich hier, wie
auch schon im Terte angedeutet worden, näher dahin: daß ich die ana-
loge Anwendung der Regel: semel beres, semper beres und die
daraus für die Bedingungen abzuleitenden Folgerungen für die Te-
stamentsvollzieher nicht gelten lasse. Denn an eine eigentliche Erbes-
einsetzung ist ber deren Ernennung ja nicht zu denken.
Beseler.

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