Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Die Gemeindenuhungen.
dem Gemeindenutzen mußte von vornherein die größten Uebelstände
zeigen, indem, bei fernern Theilungen der Güter oder bei der Ab-
trennung einzelner Stücke von den berechtigten Höfen, die Allmend-
nutzungen dessenungeachtet bei den Besitzern der ursprünglichen Hof-
stätten, d. h. derjenigen Theile, wo die ursprüngliche Behausung
stand, unverkummert verbleiben, somit bald eine Menge von Acker-
wirthschaften ohne Antheil an dem Gemeindenutzen sein mußten,
währenddem vielleicht einzeln stehende Häuser desselben in vollem
Maaße genossen.
Viel allgemeiner wurde daher zur Abschließung der Dorfgenos-
senschaft ein anderes Mittel angewendet, nämlich das, daß man
den sämmtlichen auf die Privatzwecke der Genossen zu verwendenden
jährlichen Ertrag der Allmende in eine bestimmte, künftighin unab-
änderliche Anzahl von ihrem Gehalte nach firirten Nutzungstheilen
(Gemeindenutzungstheile, Rechtsamcn, Schüpposen) eintheilte. — In
dieser Weise war die gemeine Mark ebensogut, wie bei der Fest-
setzung der Zahl der berechtigten Hofstätten, vor jedem Ueberhausen
gesichert, währenddem die Anzahl der einzelnen Antheilhaber durch-
aus nicht unveränderlich oder beschränkt war, somit die bei der Be-
folgung des erstern Systems sich ergebenden Nachtheile nicht ein-
traten. An diese Veränderung in den Gemeindenutzungs-Verhält-
nissen reihte sich jedoch noch eine andere Umgestaltung an.
Wie bisher nämlich der einzige Unterschied in dem Umfange der
Nutzungsberechtigungen der einzelnen Genossen der gewesen war,
daß die Einen ganze, die Andern halbe Nutzungen hatten, so sieht
man nun einerseits Genossen mit mehreren ganzen Nutzungstheilen,
andrerseits aber solche mit 3A, Vs, 4A, '/5 Theilen; — wobei Ln
der Regel die VertheilUng der unabänderlichen Gesammtzahl der
Gemeindenutzungstheile nach ganzen und nach Bruchtheilen eine durch-
aus und meist willkührlich veränderliche ist. Wix wollen jedoch die
angeführten Thatsachen zuerst urkundlich belegen, worauf wir dann
die Art und Weise, wie diese Umgestaltung der Gemeindenutzungs-
Verhältnisse Statt gefunden, darzustellen versuchen werden. Nach
einer unterm 29. Juli 1675 geschehenen Vertheilung findet man in
der Dorfgemeinde Schnottwyl (Solothurn) eine abgeschlossene Zahl
von 32 Rechtsamen (Gemeindenutzungstheilen), welche Zahl nach
den Worten des Theilungsacts*) „in das künftige weder auf

*) Ungedr. Urk.

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