Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

Pfandsatzung und Eigenthum.

427

der die Sache zu unterschlagen gedenkt, auch bereit sein wird,
den Unschuldseid zu schwören, so kann den Kläger nur die leib-
liche Beweisung schützen, welche die Leistung des Eides verhin-
dert, und den bereits geschworenen als Meineid darstellt. Zu
diesem Zwecke hat der Kläger das Recht, sein unterschlagenes
Gut, wo er es findet, zu ergreifen; er zwingt dadurch den Geg-
ner, entweder die Behauptung der Klage durch einen förmlichen
Gegenbeweis zu widerlegen oder die ergriffene Sache aufzuge-
ben. Daß der Beklagte, gegen den die leibliche Beweisung hier
angewendet wird, der Leiher sei, geht aus dem Zusammenhänge
des 8« 3. mit den beiden ersten und aus der am Schluffe vor-
kommenden Bezugnahme auf das bestehende comractliche Ver-
hältniß hervor 21). Diese Auslegung, bei welcher die Regel
„Hand muß Hand wahren" ganz unangesprochcn bleibt, würde
nicht leicht Widerspruch finden, wenn man nichr den Ausdruck
„sich nnterwinden" für eine technische Bezeichnung der Anfangs-
klage hielte. Die Meisten sprechen zwar nichtsdestoweniger dem
Verleiher die Vindication gegen dritte Besitzer ab, indem sie dem
Ausdrucke an dieser Stelle seine angeblich technische Bedeutung
nehmen, man hat sich aber auch auf diese Stelle berufen, um die
Regel „Hand muß Hand wahren" wenigstens für das System
des Sachsenspiegels im Gegensätze zu den späteren Rechtöquellen,
ganz zu leugnen, oder dieselbe gewissen Beschränkungen zu unter-
werfen. Madai hilft sich durch die Annahme zweier Commodate,
von denen das eine mit, das andere ohne Uebertragung des Eigen-
thums (oder der Gewere, denn beide Begriffe „identificiren sich" in
der Kindheit des Rechts) abgeschlossen wird; bei jenem begibt sich
der Verleiher mit dem Eigenthume auch der dinglichen Klage,
und darauf bezieht sich Ssp. Ldr. 11. 60; bei diesem behält er
beides und davon ist hier die Rede. — ES ist zu fürchten, daß
dieser Erklärungsversuch bei den Germanisten keinen sonderlichen
Beifall finden wird, weil sie sich schwerlich mit dem dabei unter-
stellten Begriffe der Gewere befreunden werden. Die eigentliche,

27) Die nämliche Procedur wird auch bei dinglichen Klagen angewen-
det, wenn der Beklagte den Besitz des Objects abläugnet. Eine
Beschreibnng des Verfahrens liefert der Richtst. Ldr. c. u.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer