Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

Die Gemeindenußungen. 39
mählig waren durch Veräußerungen aller Art, besonders aber durch
Erbcheilungcn, viele Güter unter ihren ursprünglichen Gehalt her-
abgesunken. Bei der reichen Fülle an Allmendgut hatte man jedoch
die Besitzer der unter ihren ursprünglichen Gehalt gefallenen Güter
fortwährend in gleicher Weise an den Marknutzungen Antheil neh-
men lassen. — Wie aber eine Begränzung der Allmendnutzungen
nothwendig wurde, da trat die alte Nechtsidee wieder in Erinnerung,
wonach nur derjenige ein Zs werter Man, somit Genosse und
nutzungsberechtigt war, der Ländereien von einem bestimmten Um-
fange inne hatte. — Da man nun einerseits die früheren Genossen
von den Allmendnutzungen wegen der Verringerung ihres Grund-
besitzes nicht gänzlich ausschließen konnte, andererseits sie aber eben-
sowenig den »ge werten Leuten« gleichstellen wollte, so theilte
man die Hofe in „ganze und in halbe Güter" ein, und wie man
auf jene Nutzungsrechte von einem bestimmten Gchalte legte, so er-
theilte man den letztern Berechtigungen, welche sich zu den erster»
Nutzungen wie die Hälfte zur Einheit verhielten^). Die Ausdrücke
„ganze und halbe" Güter dürfen also nicht dahin mißverstanden
werden, als ob ein ganzes Gut gerade das Doppelte von einem
halben Gute betragen hätte, sondern ein ganzes Gut war ein sol-
ches, welches ein bestimmtes Minimum von Ländereien umfaßte, ein
halbes Gut aber dasjenige, dessen Gehalt unter diesem Minimum
war. — Gleichbedeutend mit den Ausdrücken „ganze und halbe"
Güter sind übrigens die in den Oeffnungen viel häufiger vorkom-
menden „Huben und Schupposen.“
So heißt es z. B. in der Oeffn. v. Laufen (Zürich), bei
Grimm W. I. S. 107: „Es ist ouch zii wissen, daz zu
„einer hub gehört iiij füder holtzrechtz und zii
„einer schüpposs zwey fuder holtzrecht ...w
Ferner in der Rechtung der vischer zu Rinow ....
v. a. 1428 in Schauberg's Zeitschr. S. 155. Art. 13: „Item
„ein hoffmayer sol ain tag mit fier personen vorlesen (sc.

Schupposen zu 9 Iucharien Acker und 5 Iucharten Mattland-
wurden nun als Erbzinslehen an 5 Bauern verliehen. — Jeder
der 5 Bauern erhielt somit llVs Schupposen. S. Glur Rogg-
wyler C h r o n i k, Zofingen 1855. S. 192. Grimm W. I. S. 176 f.
76) Auch Köttern wurden hier und da halbe Rechte gegeben.
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