Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Die Einheit des deutschen Rechts.
Brauchbarkeit noch Senkenberg 33) und Fischer behaupteten,
untauglich gefunden worden. Die Methode Pütters hat erst
später in seinen Schülern auf das Privatrecht gewirkt. Aber eben
die Richtung auf die besondere Gesetzgebung, welche in dem Sel-
ch ow'scheu Lehrbuch hervortrat, zeigte auch die Schwäche der gan-
zen Lehre, und cs war wohl der Zweifel gestattet, ob der consen-
§ii8 statutorum, tantum non omnium und der Beweis a particulari
ad universale wirklich zu einem jus germanicum universale in thesi
führen könne? Dieses wurde geläugnet von Tafinger r,j, welcher
zwar eine allgemeine Theorie des deutschen Privatrechts für mög-
lich und nothwendig hielt, zugleich aber zugab, daß diese aus die
Analogie im gewöhnlichen Sinne nicht gebaut werden könne. Ta-
finger verwahrt sich gegen den von Pütter gebrauchten Ausdruck:
analogisches Privatrecht und betrachtet als die Aufgabe der deutschen
Rechtslehre nicht die Auffindung von Aehnlichkeiten gesetzlich be-
stimmter Fälle, welche Aehnlichkeiten auch zufällig sein können, son-
dern die Aufstellung allgemeiner Grundsätze aus der Natur eines
jeden Instituts in der Weise, daß dessen ursprüngliche Beschaffenheit
und seine Fortschritte im Ganzen, unter Vergleichung der positiven
Erkenntnißquellen und unter Absonderung der partikularen Bestim-
mungen, nachgewiesen werden.
Diese Tafingersche Schrift ist merkwürdig, nicht bloß weil
darin die Pütt er sche Lehre zum Abschluß gekommen, sondern auch
weil daraus die Späteren großentheils die Gründe für und wider
das deutsche Recht geschöpft haben.
Es sind zunächst zwei Gegensätze, welche sich in den Ansichten
über die Beschaffenheit des deutschen Rechts und dessen Behandlung
seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts herausgebildet haben:
I. Die Ansicht von Hufeland^), welcher als wahres ge-
53) H. Ch. Senkend erg Note 3 cit. cap. 3. §. 13. 42.
34) 3 on. Fi scher, Entwurf einer Geschichte des deutschen Rechts
Leipzig 1787. S. 79 f.
55) W. G. Tafinger (Prof, in Tübingen) über die Bestimmung des
Begriffs der Analogie des deutschen Privatrechts und der Grund-
sätze, dasselbe zu bearbeiten, t. Thl. Ulm 1787. 34 f. Vergl.
dess. Verf. D. de methodo juris priv. germanici. Tüb. 1786.
36) Gottl. Hufeland (Prof, in 3ena) in seinen Beiträgen zur
Berichtigung und Erweiternng der positiven Rechtswissenschaften

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