Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

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Gözenbach:
ausdrücklich '0), sie ftn;en wirklich angeweudct worden. — Seine
neueren Zweifel beziehen sich demnach wohl nur darauf, ob diese
Strafen auch den Nothzüchter getroffen haben oder nicht. — Allein
abgesehen davon, daß alle Unwahrscheinlichkeit schwindet, wenn wir,
wie oben geschehen, uns erinnern, daß schwache Frauen, für welche
doch jede nicht ganz barbarische Nation stets mehr Mitleid empsun-
den hat als für Männer, ganz gewöhnlich ") durch die Strafe des
Zlebendigbegrabens zum Tode gebracht wurden; fehlt cs uns auch
nicht völlig an historischen Zeugnissen von wirklicher Vollziehung der
fraglichen Strafen an Nothzüchtern. Zn Peter Ochs verdienstlichen
Mittheilungen aus Basel über Verbrechen und ihre Strafen aus
früheren Jahrhunderten l2j, finden sich nämlich zwei Beispiele ver-
zeichnet, daß Nothzüchtigcr gepfählt wurden. Bei dem einen Falle ")
heißt es indessen, Enthauptung sey vorhergegangen. Was aber die-
ser Fall dadurch im Vergleich zu dem andern, wo die Pfählung
wohl bei lebendigem d'ekbe vollzogen wurde "), an Interesse und
beweisender Kraft verliert, das gewinnt er wieder durch die Zeit,
in die er fällt, nämlich nach 4540 (!). Also nach Einführung der
Earolina? Wie tiefe Wurzeln mußte der Abscheu und Haß gegen
dieses ruchloseste aller Verbrechen geschlagen haben, da die von
Karl y. zugestandenen Verschärfungen der Todesstrafe dem Nechts-
gefühle noch nicht genügten 15j! Daher kann man im An-
gesichte solcher Zeugnisse auch nicht mit Grimm annehmen, daß
wenn die Frau die, in einigen Rechten vorgeschriebenen <Z), drei
ersten Schläge nicht thun wollte, der Verbrecher aller Strafe ledig
wurde! Solche Kraft gewann der Verzicht des Beschädigten wohl
überhaupt nie, seitdem das Compositiouenspstem untergegangen unb
an seine Stelle der polizeiliche Eharakter der Strafgercchtigkeit ge-
treten war, nach welchem, mit wenigen leicht erklärlichen Ausnahmen,

10) a. a. O. S. 691 und 694.
11) S. auch Grimm d. R. A. S. 694.
12) P. Ochs Geschichte der Stadt und Landschaft Basel, in allen
Bänden unter der Rubrik: Verbrechen, auch wohl unter den
Nachträgen zerstreut.
15) T. VI. S. 487.
ll) Bd. V. S. 580. ans dem I. 1515.
15) Der Thäter wurde auf einen Karren gesetzt, mit glühenden Zan-
gen gepsetzt, enthauptet und beim Galgen begraben.

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