Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

313

Hillebrand:
zuweisen habe, wie dieß Mittermaier, deutsches Privatrecht
§. 165 will, vermag ich demnach auch nicht einzusehen. Meiner
Meinung nach können hier nur die allgemeinen proeessualischen
Bestimmungen eingreifen, wonach der Richter über die Existenz
derjenigen Localftatuten, welche in dem Bezirk des erkennenden
Gerichts selbst gelten, keiner Parthei Beweis auferlegen soll und
ihm dieß nur bezüglich der nicht ausgezeichneten Gewohnheiten seines
Sprengels gestattet ist
Daß nun aber eine so auffallende und allgemein verbreitete
Gewohnheit, wie die des deutschen Ueberhangs- und Ueberfallsrechtes,
nicht das Ergebniß des Zufalls oder der bloßen Willkühr sein könne,
leuchtet ein und es haben deshalb auch neuere Germanisten deren
Erklärung in fundamentalen Rechtsanschaunngen aufgesucht. So
leitet z. B. Eichhorn 20) dieselbe aus dem Eigenthum des Luft-
raumes her, Andere wie Mittermaier 2I) und Maurenbre-
cher 22) finden deren Grund hauptsächlich in der Unverletzbarkeit
der Grenze und in Entschädigungsansprüchen wegen des zu nahen
Baumes 23). Hier soll eine andere Erklärung versucht werden, auf
die zwar gleichfalls bereits mehrfach hingewiesen wurde M). welche
jedoch noch nicht näher dargelegt und auch gewöhnlich nicht als an
sich schon ausreichend befunden worden ist, nämlich die aus dem alten
deutschen Rechtsgrundsatz, wonach in der Gewere von Immo-
bilien auch diejenige der auf diesen befindlichen Mobi-
lien enthalten sei. Daß durch diesen Saß nun nicht ausge-
drückt werden soll; der Inhaber von Immobilien dürfe willkührlich

19) Vrgl. G. Fr. Puchta Gewohnheitsrecht Th. II. S. 187, v. Sa-
vigny System des heut. röm. Rechts I. S. 187, Bayer Vorträge
über den Civilproceß, 6. Auflage, S. 405.
20) Deutsches Privatrecht §. 171.
ri) a. a. O.
22) Deutsches Privatrecht Nr. 241.
25) I. Grimm läßt sich in seiner unserem Gegenstände gewidmeten
Abhandlung (Zeitschr. für geschichtliche Rechtswissenschaft Bd III.
S. 549) und ebenso in seinen Rechtsalterthümern gar nicht auf
«ine prineipielle Erläuterung des in Rede stehenden Rechts ein.
24) 3. B. von Alb recht, Gewere S. 21, Philipps Grundsätze
des deutschen Privatrrchts I. S. 552, Wolfs deutsches Privat-
recht I. S. 219.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer