Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Ausgenommen wurde jedoch der Fall, wo Einer beschwören konnte,
daß ihm entweder das geschehene Friedensgelöbniß oder seine Ver-
wandtschaft mit einem der Betheiligten unbekannt gewesen sei M).
Zur Verhütung aller dieser Friedensbrüche war in Schwyz,
Zug und Gaster jedem Landmann und Einwohner die Pflicht
auferlegt, dieselben der Obrigkeit anzuzeigen, und strenge verboten
die Gesetze gütliche Vergleiche darüber, während sonst noch im 16.
Jahrhundert der Grundsatz galt, daß die Gerichte selbst bei Körper-
verletzungen nur auf die Klage der Betheiligten einzuschreiten hätten^).
Der gelobte oder gebottne Frieden dauerte entweder so lange,
bis die Partheien sich vollständig mit einander aussöhnten, oder
bis zu gewissen Anlässen, bei welchen alle besonderen Frieden im
Lande aufgehoben wurden. Auf die wirkliche Aussöhnung bezieht
sich die Sitte, den Frieden abzutreiben, welche in den Landbüchern
von Appenzell und Gaster vorkömmt "). Dieses dürfte erst einen
Monat nach Anlegung des Friedens, und dann nur in Gegenwart
eines Beamteten geschehen, welchem die Partheien versprechen mußten,
das Geschehene einander zu verzeihen und zu vergessen, und allfällige
Ansprüche, die sie deßhalb noch zu machen hätten, auf dem Wege
Rechtens zu verfolgen. Damit war unter ihnen ein rechtliches,
für die öffentliche Sicherheit beruhigendes Verhältniß wieder her-
gestellt, und sie waren damit selbst freiwillig auf dasjenige überein-
gekommen, was ihnen früher als Pflicht hatte auferlegt werden
müssen. Es war also kein Grund mehr vorhanden, jenes außer-
gewöhnliche Verhältniß, welches durch die erhöhte Strafbarkeit von
Beleidigungen höhere Rechte und Verpflichtungen für sie herbei-
geführt hatte, ferner unter ihnen fortbestehen zu lassen. Daß der
Zustand, in welchem sich die Partheien während des besonder»,
rechtlich gebotenen Friedens befanden, als ein sehr lästiger und als
eine Art von Strafe angesehen wurde, ersteht man namentlich aus
42) Landbuch von Appenzell A. R. Art. 159., von Gaster Art. 39.
43) Vergl. die interessante Stelle in der Oeffnung von Murer vom
I. 1345. bei Grimm 1.45.: „Aber spreclient Nie boklüt, dass sy
das rächt babent, wie die nachgeburen mit einandern lcbent, sy
schlachent oder stechcnt einandern, an allein vmb den tod, so
bat ein vogt nüt ze richten, man Klage im denn.“
- 44) Auch in Glarus war sie gebräuchlich, vergl. I. I. Tschudi's
Glarner-Chronik (Zürich 1714.) S. 56.

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