Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

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Der gelobte Frieden.
ligten geschlossen wurden, ein Fricdensgelöbniß beigefügt 7). Indessen
war schon in den Zeiten, aus denen unsere Nechtsquellen stammen,
das alte Compositionenspftem größtentheils verschwunden, und es
konnte daher kaum noch Zweck der Gesetzgebung seyn, dafür zu sor-
gen, daß nach bezahltem Sühngelde die Partheien sich nicht mehr
befehden. Dagegen galt damals die Privatrache für erlittne Belei-
digungen noch nicht durchgängig für etwas Unerlaubtes. Zwar hatte
schon Karl der Große dieselbe aufzuheben gesucht, indem er den
Beleidiger zur Bezahlung, den Verletzten zur Annahme des gesetz-
lichen Sühngeldes zwang; allein im wirklichen Leben hörte die Selbst-
hülfe so wenig auf, daß der Landfrieden von 1187 und der Sachsen-
spiegel sie wieder in einem ziemlich weiten Umfange gestatten muß-
ten 8 9 10). So wird denn auch noch in schweizerischen und breisgauischen
Statuten des 14ten, 15ten und 16ten Jahrhunderts^ die Blutrache
der Verwandten beim Todtschlage entweder unbedingt oder doch für
den Fall, wo der Thäter entwichen war und daher nicht dem Ge-
richte überliefert werden konnte, ausdrücklich verstattet; ja es findet
sich sogar in einigen der unten zu erwähnenden Gesetze über das
Friedengebieten die Ansicht ausgesprochen, daß, wenn Jemand seinen
Verwandten bluten sehe, er dann nicht gehindert werden könne,
diese Beleidigung auf der Stelle an dem Thäter zu rächen t0). Leicht
konnten daher, bei diesen noch vorherrschenden Volksansichten, aus
einer Rauferei eine Menge späterer Fehden und Friedensstörungen

7) Sühne eines Todtschlages vom Jahr 1660 im Landbuche von Ap-
penzell-Jnnerrhoden Art. 46. (S i e g w a r t - M ü l l e r , das Straf«
recht der Kantone Uri, Schwyz u. s. w. St. Gallen 1853, S. 92.)
8) Vergl. Eichhorn deutsche Rechtsgeschichte (4te Ausgabe) §. 207. 379.
9) Dingrodel von Kirchgarten v. I. 1395 bei Grimm Weisthümer
I. S. 353. Stadtrecht von Lichtensteig v. 1.1400 bei Tschudi a.a.O.
I. S. 607. Oeffnungen von Reerach und Kybnrg bei Bluntschli
Staats- und Rechtsgesch. von Zürich I. S. 240.410. Vertrag über
die Herrschaftsrechte zu Gams v. I. 1497. (Msc.) Landbuch von
Gaster v. I. 1564 (Msc.) Art. 65. Stadt - und Amtbuch von Zug
v. I. 1566 (Siegwart a. a. O. S. 109).— Vgl. Urk. v. 1420
bei Stadlin Topographie des Kant. Zug, I. S. 12, v. 1468 bei
v. A rr Gesch. des Kant. St. Gallen II. S. 609.
10) Altes Landbnch von Glarus (Pergament-Handschrift ans dem fünf-
zehnten Jahrhundert). Landbücher von Gaster u. Uhnach.

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