Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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kommt der Zweikampf gleichwohl selten vor und gerade aus dem
höchst achtbaren Grunde, weil hier das Ehrgefühl am richtigsten
ausgebildct ist, das Vorurtheil von der Nothwendigkeit der Selbst-
hülfe in Ehrensachen den Fortschritten der christlichen Sittenlehre,
Gesetzlichkeit und gesunden Vernunft das Feld fast ganz hat räumen
müssen. Hier also, wo die sittliche Nöthigung zum Zweikampfe im-
mer sehr zweifelhaft sein dürfte, würde die Erlaubniß dazu gleichfalls
fast immer versagt werden.
Der Erfolg einer Einrichtung der eben bezeichneten Art würde
also der sein, daß dem Adel, dem Kriegsstand und der academischen
Jugend Selbsthülfe in Form des Zweikampfes erlaubt, den unge-
bildeten Staatsangehörigen dagegen ganz versagt, zugleich aber an-
gedeutet werden würde: sie, denen ihre mangelhafte Erziehung dieß
nicht sittlich untersage, möchten in vorkommenden Fällen ihre Fäuste
brauchen und nur nicht zu hart schlagen. Endlich dem eigentlichen
Kern des Volkes, dem gebildeten und gesitteten Mittelstand, würde
lediglich die traurige Verweisung auf den langwierigen Weg Rech-
tens zu Theil werden. Und doch frage ich: Mit welchem Rechte
könnte ein Ehrengericht Handwerksburschen verbieten sich zu prügeln,
wenn es Edelleuten gestattet, sich zu schießen 14)? Den von Jean
Paul angeführten Grund werden die so Bevorzugten am wenigsten
gelten lassen!
Aber auch abgesehen von alle dem werden solche Ehrenge-
richte ihrem Zwecke aus dem Grunde nicht entsprechen können, weil
derjenige, welchem sie den Zweikampf verbieten, dadurch vor dem Vor-
urtheil, welches ihn geboten hat, nicht gerechtfertigt erscheint; er wird,
wenn er dem Verbot des Ehrenrichters folgt, gerade dieselben Nach-
theile zu gewärtigen haben, wie jetzt wer dem allgemeinen, gesetz-
lichen Verbote folgend den Zweikampf ablehnt.
Gleichwohl würde das Vorurtheil, durch die.Ehre, die man ihm
erweist, Ausnahmen vom Gesetze begründen zu dürfen, nur gehegt
und gepflegt werden; an seine allmählige Beseitigung dürfte dann
gar nicht mehr gedacht werden.
Ehrengerichte, welche einen Zweikampf erlauben dürfen, stellen
sich deßwegen an und für sich schon als so unzweckmäßig und ver-

14) Aschenbrenner, Betr.S.99. Most, EncyclopcidiederStaats-
Arznett. S. 105.

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