Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Renaud:

Gerichte geht eine Berufung an ein Apellationsgericht, gebildet aus
vier Richtern und einem Präsidenten, welche Beamten alle durch freie
Wahl aus der Mitte der Dorfgemeinde, mit Ausnahme der Herren
des ersten Gerichts, bestimmt werden 53).
Das Zusammenfallen der Markgenossenschaften mit den Real-
gemeinden hatte endlich noch eine weitere Folge. Man kam nämlich
in ganz natürlicher Weise dazu, die gemeine Mark als Gemeinde- 1
Vermögen zu betrachten, und somit die eigentlichen Gemeindeaus-
gaben daraus zu bestreiten. Wie früher nur die zur Benutzung der
Mark nothwendigen Wege und die über Markflüsse gehenden
Brücken, aus der Allmende unterhalten worden waren M)f so wurde
nun auch das Material zur Unterhaltung der Gemeindewege und
Gemeindebrücken aus der Mark genommen, und es wurden die
übrigen Gemeindeausgaben, wie z. B. diejenigen für Schulen, aus
dem Ertrage der gemeinen Mark bezahlt. Ferner hatten die Dorf-
genossen nun nicht mehr blos die Beschwerden zu tragen, welche
in direkter Beziehung zur Allmende standen, wie die Ausbesserung
der Markwege, wie die Entrichtung von Holzhaber, Waidehühnern,
Grundzinsen, die Leistung von sogen. Tagwen oder' Frohndiensien
an den Obereigenthümer der gemeinen Mark oder an den Herrn,
der die Genossenschaft in deren Besitze schützte, sondern sie mußten
als Gemeindegenossen auch die Gemeinde- und öffentlichen Lasten
wie die Ausbesserung der Gemeinde-Wege und der öffentlichen
Straßen, dann auch den Kriegsdienst, prästiren ^).
Bevor wir nun auf die Allmendnutzungsrechte der Gemeinde-
genossen im Einzelnen entgehen, sind hier zwei Fragen von allge-

S5)s. Statuten der Dorfgemeinde Baar, angenommen
für 10 Jahre den 8ten März 1845. §. 25 u. 26. — Zu
bemerken ist hier übrigens/noch, daß der Dorfgemeinde das Begna-
digungsrecht hinsichtlich der von ihren Gerichten ausgesprochenen
Urtheile Vorbehalten ist. Statut. §. 19. no. 2. — Aehnliche
Dorfgemeindegerichte bestehen auch in den andern Dorfgemeinden
des Cant. Zug. — S. z. B. die Gesetze und Verordnungen
über die Benutzung und Verwaltung de r Allmand-
güter der löbl. Gemeinde Oberägeri, v. I5ten u. 22ten
Brachmonat 1854. §. 61. —
54) v. Löw. S. 185.
55) Bluntschli I. S. 415.

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