Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Von den Testamentsvollziehern.
hier die Vormundschaftslehre eine entsprechende Analogie, welche
unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Testaments-
erccution ihre Anwendung finden kann. Ist aber das Inventar
unter öffentlicher Auctorität, gerichtlich oder vor Notar und Zeugen
und mit Zuziehung der Erben vom Erecutor abgefaßt worden, so
wird es genügen, daß der Erbe, welcher die Erbschaft nur sud
Lenküeio inventarii angetreten hat, sich einfach darauf bezieht, so
wie umgekehrt, wenn in Folge dieser beschränkten Antretung ein
gehöriges Inventar errichtet worden ist, auch der Erecutor sich des-
sen wird bedienen können. — Eine weitere Frage, welche sich an
diese Betrachtung anknüpft, ob und in wiefern nämlich der Testa-
tor befugt ist, dem Testamentserecutor die Abfassung eines Inven-
tars ausdrücklich zu erlassen, wird besser der späteren Erörterung
Vorbehalten bleiben, welche noch über die Zulässigkeit einer solchen
Anordnung hinsichtlich der Rechnungsablage des Erecutors anzu-
stellen ist. Denn auf diesen letzteren Punct kommt doch auch bei
jener Vorfrage Alles an, so daß man unter Umständen wird an-
nehmen dürfen, daß in dem Erlaß der Inventarisirung für den
Erecutor auch der der Nechnungsablage gegeben ist.
5. Verwaltungsbefugnisse des Erecutors im Allgemeinen.
Wie sich in dieser Beziehung die Aufgabe des Testamentsere-
cutors gestaltet, läßt sich im Einzelnen nicht näher angeben, indem
dabei fast Alles von den gerade vorliegenden Verhältnissen abhängt.
Ich begnüge mich daher, hier auf die entsprechende Vorschrift des
baierischen Landrechts (a. a. O. 8. 18.) zu verweisen:
„Solchemnach kan und soll 3tio Executor während der
Ereeution alles thun und verrichten, was sowol zu Erhalt-
es Vermehr- oder Ergänzung derselben (der Verlassenschaft)
dienlich und thunlich ist."
und füge nur beschränkend hinzu, daß es zunächst seine Aufgabe ist,
das nachgelassene Vermögen in einen guten Stand zu bringen und
darin zu erhalten, und daß er sich vor allen gewagten Geschäften,
um es zu vermehren, sorgfältig zu hüten haben wird. Namentlich
muß er mit der größten Vorsicht bei der Anlegung von Capitalien
verfahren, wenn er auch befugt und unter Umständen verpflichtet
ist, eine passende Gelegenheit, sie nutzbringend zu machen, nicht zu
versäumen.

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