Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Von den Testamentsvollziehern.
nicht unentgeldlich geführt zu werden. Außerdem aber, daß dem
Testator die Salarirung des Erecutors frei sieht, kann es auch ge-
schehen, daß die Erbinterdssenten, gemeinsam oder einzeln, denselben
durch eine ihm zugesicherte Belohnung zur Uebernahme des ihm
testamentarisch übertragenen Geschäftes bewegen; nur werden in
einem solchen Fall nur diejenigen für die Zahlung haften, welche sie
übernommen haben, ohne daß hier von einer Erbschaftsschuld die
Rede sein fflim.

8. Verhaftung der Erecutoren.
Mit Recht hat schon Wernher '") bemerkt, daß die Art und
Weise, wie der Erecutor den Erbinteressenten verhaftet ist, wesent-
lich davon abhängt, ob er eine eigentliche Vermögensverwaltung zu
führen hat oder nicht. Zm letzter» Fall wird sich selten eine Ver-
anlassung finden, ihn anders als wegen doloser Handlungen zur
Verantwortung zu ziehen und zur Entschädigung anzuhalten. Doch
steht dem dolus auch hier die culpa lata gleich, so daß es nur
zweifelhaft sein kann, ob er auch wegen culpa levis haften soll.
Insofern der Erecutor nun keinen Vortheil von dem Rechtsverhält-
niß, in welchem er sich befindet, zieht, erscheint es allerdings bedenk-
lich, eine so strenge Verhaftung anzunehmen; indessen möchte es sich
doch rechtfertigen lassen, hier wegen derselben ratio auch dieselben
Grundsätze, wie bei dem Mandat gelten zu lassen, und in der That
haben auch solche Juristen, welche die Lehre im Allgemeinen nicht
aus das Mandat gebaut haben, in dieser Beziehung die Analogie
desselben zur Anwendung gebracht ,26). — Was aber die Frage be-
trifft, wem der Testamentserecutor verhaftet ist, so muß sie allge-
mein dahin beantwortet werden, daß jeder, welcher bei der Erb-
schaft betheiligt ist und durch die Arglist oder die nicht entschuldbare
Fahrlässigkeit des Erecutors in Schaden gekommen, auch von ihm
die Schadloshaltung verlangen kann. Also die Erben, Vermächt-

125) I. c. Kr. io.
126) B. Carpzov, opus decis. p. II. dec. 159. Nr. 19. -- Mevilis
ad jus'‘Ilib. lib. II. tit. 1. art. 15. Nr. 13. — Günther, prino,
jur. II. 803. — Wolfs, Lehrbuch des deutschen Prioatrechts I.
§. 191. — Das ba i erische Land recht a.a. §. 20. Nro. 3.
läßt den Testametttserecutor jedoch nur für culpa lala haften.

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