Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

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Be seler:
bekommt ähnlich wie der Testamentserecutor seine Gewalt durch
den im Testament ausgesprochenen Willen des Testators, und wenn
bei jenem nie an ein eigentliches Mandat gedacht worden ist, so
kommt das wohl allein daher, weil die Ernennung des Vormun-
des an sich schon genügt, um das seinem ganzen Umfange nach
gesetzlich festgestellte Rechtsverhältniß sicher zu begründen, während
bei der mangelhaften Ausbildung der Testamentsvollziehung durch
dritte Personen im gemeinen Recht noch eine nähere Bestimmung
derselben für den einzelnen Fall erwartet wird. Wo particular-
rechtlich die Lehre gehörig geordnet ist, fällt dieser Unterschied ganz
weg; denn auch für den Vormund läßt sich ja eine nähere Anwei-
sung für seine Amtsführung geben, insoweit sie nur den Grundsätzen des
öffentlichen Rechts nicht widerspricht. — Aber auch abgesehen von diesem
Puncte fehlt es beiden Instituten nicht an einer gewissen Aehnlichkeit, die
namentlich da am deutlichsten hervortritt, wo mit der Testaments-
vollstreckung eine Vermögensverwaltung verbunden ist. In dieser
Hinsicht kann die Analogie der Vormundschaft von unmittelbarer
Bedeutung werden, da das Recht der Güterpflege in unserem ge-
meinen Recht eine so wenig feste Durchbildung erlangt hat, und bei
der schwankenden Stellung der Testamentserecutoren und ihrer ei-
genthümlichen Lage, den Erbinteressenten gegenüber, ein allgemei-
nes, fest begründetes Institut, an welches ihre Beurtheilung anzu-
lehnen, sehr hülfteich werden kann. Hier knüpfte denn auch die
ältere Theorie mit ihrer Analogie vorzugsweise an. Aber auch
hier ist dieselbe doch mit der größten Vorsicht zu gebrauchen, um
nicht ungleichartige Verhältnisse zu vermischen und die ein bestimmt
abgeschlossenes Institut beherrschende Regel willkührlich zu genera-
lisiren. In jeder andern Beziehung dagegen ist die Analogie der
Vormundschaft, sobald mau auf das innere Princip der Lehre ein-
geht, kaum zu gebrauchen. Sie gehört ihrem eigentlichen Schwer-
puncte nach dem öffentlichen Recht an, während diese Seite des
Instituts bei den Testamentserecutoren, ihrer gemeinrechtlichen Be-
deutung nach, ganz zurücktreten muß; die Vormundschaft findet im
Rechtssystem ihren Platz unter den Lehren des Familienrechts,
während die Testamentsvollstreckung dem Erbrecht zuzuweisen ist.
Daher bleibt die Verwandtschaft immer nur eine äußerliche, und
wenn es sich vom Princip unserer Lehre handelt, so kann es dem
Recht der Vormundschaft nicht abgewonnen werden.

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