Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

Von den Testamentsvollziehern. 153
gemacht werden, zu befriedigen 12). Zu diesem Grundsatz und über-
haupt zu der Vertretung des Erblassers durch den Erecutor mußte
man aber nothwendig gelangen, sobald nicht bloß einzelne Stücke
des Nachlasses, sondern dieser ganz in die Hand des Erecutors
kam, was eben in den Städten, wo sich die Testamentslehre über-
haupt sestsetzte, unter den gegebenen Verhältnissen regelmäßig der
Fall gewesen sein wird.
Es stellt sich demnach als das allgemeine Resultat der vorge-
henden Untersuchung heraus, daß die Lehre von den Testaments-
erecutoren nur in der Sphäre der älteren Stadtrechte eine selbstän-
dige, auf deutschrechtlichen Principien beruhende Ausbildung erlangt
hat, und daß hier einer solchen Mittelsperson, weil der testamen-
tarische Erbe fehlte, die formelle Vertretung des Testators hinsicht-
lich seiner Vermögensverhältnisse und namentlich mit Rücksicht auf
die Vollstreckung seiner letzwilligen Verfügungen zukam.
12) G. Oelrichs, vollständige Sammlung alter und neuer Gesetzbü-
cher der freien Stadt Bremen. Urtheile. Nr. 8. p. 166. —
J. O. gaf scult Alberte van der Hoyen umme gelt, dat henric van
der Hoyen sin broder eme seuldich was, unde gaf eine scult, dat
he sic sines brodcrs got hedde underwunden bi sines broders le-
vende unde oc na sinen dode. des sprae A, dat H. sie broder
bette ene caren to testamentere. — do quam dat ordel: —
na den dat A. sic sines broder godes underwant bi si-
nes broders levende unde na sinen dode unde A. des
bekende, dat sin broder ene to testamentarie coren
hadde, dat A. sic sines broders godes also badde un-
derwunden, na unses stades bokc unde na stades
rechte, dat de silve A. sculde des broders sculde
gelden, de men mit rechte up eine bringen mochte. —
Mit diesem Urtheil und der im Text gegebenen Auffassung der
Testamentsexecutoren nach Bremer Recht steht auch Art. 8. der
Statuten (a. a. O. p. 25) nicht in Widerspruch, denn dieser han-
delt nicht von der Anordnung eines Testaments und dessen Vvll-
streckern, sondern von der Bestellung gewählter Vormünder für
die Kinder neben den gesetzlichen. Wenn eine solche Vormundschaft
bestand, so kamen, wie es scheint, nach Bremer Recht keine beson-
deren Testamentarien als Testamentsvollstrecker vor; sie wurden
wohl nur bestellt, wenn der kinderlose Erblasser eben ein Testa-
ment gemacht hatte, und nur einer bestimmten Vertretung bedurfte.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer