Volltext: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

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Förster:
er trägt nicht den Zufall. Er verliert aber seine Forderung, wenn
nicht die Uebereinkunft der Betheiligten etwas anderes hierüber fest-
gesetzt hat, d. h. er trägt den Zufall. Einen so entschiedenen
Widerspruch iy demselben Satze müssen wir heben. Ohne vor-
greifen zu wollen, so ist doch klar, daß wenn wir annehmen, in
§. 4. sei nur von Verschulden die Rede, und §. 5. gebe — obschon
bei einem besonder« Pfandgegenstande — bis: he ne gilt is nicht,
die allgemeine Regel, daß unverschuldeter Schaden nicht getragen
werde, die fernere Vorschrift nur etwas Besonderes für essende Pfän-
der enthalten müsse. Und in der That folgt aus den Worten weiter
nichts, als daß die Schuldforderung untergeht, wenn das Pfand ein
Thier ist, und wenn dieß stirbt. Auf alle übrigen Fälle ist §. 4.
anwendbar. Aber eben §. 4. giebt uns keine unzweideutige Ant-
wort auf die Fragen:
1. ) Was ist dem Pfandgläubiger als Verschulden anzurechnen?
2. ) Haftet er schlechthin für jeden Zufall?
Dieß soll nun festgestellt werden.
Zuerst mögen hier einige Stellen Platz finden, die ganz allge-
mein von der Pflicht des Pfandgläubigers, für Verschulden einzu-
stehen, sprechen. Offenbar gehört hieher Sachsenspiegel III, 5. 8. 4.
selbst, worin wenigstens das nicht zu bezweifeln ist, daß der Be-
sitzer des Pfandes zum Ersatz verpflichtet wird, wenn es durch seine
Schuld verdorben worden. Mit ihm stimmen viele andere Rechts-
quellen.
So Schwabmspiegrl c. 212. »Swas aber ein man dem andern
»lihet oder sezet, das sol er im als guotes wider geben.
»Ist es erger worden, dass besser als reht si.«
Vermehrter Sachsenspiegel UI, 17, 18.
Goslarer Statuten S. 82,16. »Wat erame wert ghesat oder
»gheleghen, vorlüst he dat, dat mot he ghelden na min-
»nen oder na sinem werde."
Sächsisches Weichbild c. 151. Magdeburger Recht S. 299.
Art. 88. Culmer Recht V, 34. Lübisches Recht S. 587. Art. 98:
»Zettet ein mann dem andern ein pandt dat schal he eme
»unvordorven weddergeven edder gelden na syner werde
»so van vorsümenisse ummegekomen . .
Münchner R. c. 42. »Swem ain pfant gesetzt wirt ... der
»sol daz behalten an gevärd.«

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