Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

Die Verantwortlichkeit d. Sahungs- Gläubigers. 119
lange es versetzt und noch nicht durch ausgebliebene Zahlung in das
Eigenthum des Gläubigers übergegangen war, ganz nutzlos bei
ihm dalag.
Ich bin nun der Ansicht, daß die Behauptung: „der Satzungs-
gläubiger trägt den Zufall" nicht begründet ist, und ich werde daher
eine andere Deutung der angeführten Stelle des sächsischen Land-
rechts versuchen. Dabei nmd sich sehr bald zeigen, daß mit dem
ganz allgemeinen und unbestimmten Ausdruck derselben für die Lehre
vom Tragen der Gefahr aus der Satzung nichts bestimmtes gewon-
nen werden kann, wenn man nicht auf die übrigen Nebenquellen ein-
geht, welche den Sachsenspiegel vielfach ergänzen und erklären.
Halten wir uns zunächst nur an die Worte desselben. Zn §. 3.
wird vom Treuhänder gesagt, daß er für den Verlust der Sache,
wenn ihn selbst keine Schuld treffe, nicht hafte. Aber, wird in
8. 4. fortgefahren, bei Leihe und Satzung muß man die Sache un-
verderbt wiederbringen oder ersetzen. Hier fällt gleich auf, daß
§. 4. zu 8. 3. einen Gegensatz bilden soll, dieß aber eigentlich nicht
thut, indem in 8. 5. von Verlust der Sache gesprochen wird, in
8. 4. vom Verderben derselben. Wäre der Gegensatz scharf, so
müßte 8. 4. besagen: der Entleiher und Satzungsgläubiger muß die
Sache, die ihm gestohlen, geraubt oder verbrannt ist, oder —wenn
es ein Vieh ist — stirbt, schlechthin ersetzen, ohne Rücksicht darauf,
ob dieß mit oder ohne seine Schuld geschehen. Dieß würde aller-
dings heißen: er trägt den Zufall. Statt dessen ist aber von Ver-
derben die Rede, wir dürfen also, da eine gestohlene und geraubte
Sache nicht deßwegen gerade auch verdorben ist, diese Gegensatzung
beider 8. 8. in ihrer Strenge nicht anwenden, sondern müssen uns
an den unbestimmten Ausdruck halten. Dazu kommt, daß man im
Worte unverderft eine Hindeutung auf Verschulden finden wird.
Der Besitzer des geliehenen und gesetzten Gutes soll es nicht ver-
derben. Wir sind also zunächst noch gar nicht berechtigt, in 8. 4.
die Regel zu finden, daß der Satzungsgläubiger den Zufall trage.
Ja die gleich folgenden Worte unterstützen vielmehr die entgegen-
gesetzte Behauptung. Es bringt nemlich ein zweites aver in 8. 5.
eine neue Vorschrift für die Satzung. Das allgemeine svat-dat
hat sich verengt zu dem bestimmteren xerä oder ve, und von die-
sem wird gesagt daß, wenn es stirbt und der Satzungs-Gläubiger
seine Schuldlosigkeit beweisen kann, er es nicht ersetzen soll. Also

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