Full text: Volume (Bd. 9 (1845))

Die Verantwortlichkeit d. Satzungs-Gläubigers. 111
Hier ist überhaupt viel Uebereinstimmung mit Aussprüchen der
deutschen Quellen.
Dies genüge vorläufig. Einige Beweise werden noch gele-
gentlich in dieser Abhandlung beigebracht, andere müssen übergan-
gen werden, weil sie sich nur durch Darstellung der einzelnen Ver-
träge gewinnen lassen. Thäte ich dieß, so würde ich meine Grenze
hier sehr überschreiten.
Zunächst aber ist nun die Frage aufzuwerfen; wie unterscheidet
das deutsche Recht Verschulden und Zufall?
Daß schon den alten Deutschen ein Unterschied zwischen Zufall
und Verschulden bekannt gewesen, hat Wilda bereits bewiesen
Auch für die Leistungen aus Verträgen zeigen die Volksrechte
diesen Unterschied. Das natürliche Gefühl hat hier die Deutschen
ebenso, wie die Römer, auf den Begriff der Sorgfalt geleitet.
Man soll achtsam sein in Betreff fremder Sachen; Verwahrlosung
begründet ein Verschulden.
„Sint geschrebin stet, wer czu halden icht habe, der warte
„daz her wisslich thu unn daz he sich icht vergesse“,
ist im Kaiserrecht (Senkenberg) I., 26. bestimmt. Ebenso sagt der
Sachsenspiegel II., 38:
„Die man sal gelden den scaden, die von siner warlose
„gesciet anderen luden“, II. f. w.
Es leuchtet aber ein, daß die Forderung der Sorgfalt an sich
eine ganz unbestimmte ist, die ihren genaueren Inhalt erst durch
eine weitere Bestimmung erhalten muß. Auch diese fehlt in unfern
Quellen nicht. Rur diejenige Sorgfalt befreit von der Verantwort-
lichkeit, die derjenigen gleich kommt, welche man aus die eigenen
Sachen verwendet. Dieser Satz gilt wenigstens nach den meisten
deutschen Quellen, und ich glaube nicht, daß irgend wie römischer
Einfluß hierbei anzunehmen ist, da er auch in der Zeit und in den
Gegenden sich zeigt, wo man Giltigkeit des fremden Rechts nicht
findet. Ueberdieß sieht man bald wesentliche Unterschiede beider
Rechte, wenn man die römische diligentia, c^uam quis suis rebus
adhibet, zur Vergleichung heranzieht. Bekanntlich war die letztere
im römischen Recht nicht ursprünglich, sondern entstand erst mit
der Entwickelung vom strictum jus zur bona üdes, indem man den

-5) Strafe.der Germanen S. 149 und a. and. O. besonders S.545 ff.

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