Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 1 (1891))

762 Culpa in contrahendo.
Verpflichtung, das Thier ihrerseits vor dem Verkaufe zu untersuchen, lag ihnen über-
haupt nicht ob, die entgegengesetzte Behauptung des Beklagten findet weder in den
Vorschriften des H.G.B.'s, noch in denen des sächsischen und gemeinen bürgerlichen
Rechts einen Anhalt, sie hatten nur, wenn das Pferd an einem ihnen verborgen
gebliebenen Mangel litt, hierfür nach den Grundsätzen in §§ 899 des B.G.B.'s
bez. des sog. Ldilicischen Edikts — Windscheid a. a. O. §§ 393 flg. — auf-
zukommen. Hiervon abgesehen ist zu berücksichtigen, daß die „Lungenpfeife" ge-
nannte Krankheit keineswegs eine angeborene sein muß, sich vielmehr auch erst
später entwickeln kann,
vergl. die Bestimmung in § 926 des B.G.B.'s, wo bei der dort Hartschnau»
figkeit oder Kehlkopfpfeife oder pfeifender Dampf genannten Krankheit eine
nur fünfzehntägige Entwicklungsperiode angenommen ist, ferner Haubner'S
Thierheilkunde, 10. Auflage, bearbeitet von l)r. Siedamgrotzky, § 111
S. 129 flg. —.
Die Kläger hätten deshalb, selbst wenn sie das von ihnen verkaufte Pferd
kurz vor dem Kaufabschlüsse untersucht und fehlerfrei befunden hätten, Nichtwissen
können, ob nicht die Krankheit ihnen damals verborgen geblieben und erst nach
dem Verkaufe bemerkbar geworden sei. Irgend ein Vorwurf kann ihnen somit
nicht gemacht werden, wenn sie gegenüber der positiven, durch ein thierärztliches
Zeügniß unterstützten Behauptung des Beklagten ihren etwaigen früheren entge-
gengesetzten Wahrnehmungen Gewicht nicht beilegten.
v. Aus demselben Grunde und da sie nicht annehmen konnten, daß Be-
klagter für genügende Kennzeichnung der beiden Fuchswallache nicht Sorge getragen
habe, gleichwohl aber sich getrauen werde, schlechthin zu behaupten, das von ihm
bei Th. erhandelte Pferd sei krank, kann ihnen der Vorwurf fahrlässigen Verhaltens
nicht um deswillen gemacht werden, weil nicht Th., sondern B. nach Leipzig
gereist ist.
Nicht unerwähnt mag bleiben, daß, wenn man in dieser Beziehung anderer
Meinung sein wollte, dies dem Beklagten nur bezüglich 90 Mk. (Transport des
Pferdes von Leipzig nach Altona) zu Statten kommen könnte. Denn die Reise
nach Altona und Leipzig würde annehmbar den gleichen Aufwand verursacht haben,
wenn sie statt B.'s dessen Gesellschafter Th. unternommen hätte, auch würde inso-
weit sich zu Gunsten des Beklagten nichts geändert haben, wenn Th. in Leipzig
bei Besichtigung des Pferdes erkannt hätte, daß nicht das von ihm verkaufte
Pferd das kranke sei; lediglich die Kosten des Rücktransports des Pferdes nach
Altona wären dann erspart worden.
d. Das Gleiche gilt von dem weiteren Einwande des Beklagten, daß B.
bei gehöriger Aufmerksamkeit den Jrrthum, in welchem der Beklagte sich befand,
hätte wahmehmen müssen. Derselbe ist aber überhaupt unbegründet. Es ist in-
soweit auf die obigen Ausführungen zu verweisen, wonach die Kläger davon ausgehen
durften daß der Beklagte nicht so, wie geschehen, verfahren sein werde, wenn er

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer