Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

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Cnlpa in contrahendo.
stand nicht dienen, daß ihm H. gesagt, daß von Th. verkaufte Pferd sei krank.
Denn der Jrrthum, in dem sich H. hierbei befunden hat, ist nach den obigen
Darlegungen durch das schuldhafte Verhalten des Beklagten selbst verursacht ge-
wesen und diese Verschuldung und deren rechtliche Folgen werden durch die Hand-
lungsweise H.'s überhaupt nicht berührt.
Uebrigens fällt dem Beklagten noch ein weiterer Verstoß gegen kaufmännische
Sorgfalt zur Last. Da er für die Ermöglichung zuverlässiger Unterscheidung der
Thiere Fürsorge nicht getroffen hatte, konnte er, als das eine der Pferde sich als
mit einem Fehler behaftet erwies, bei gehöriger Ueberlegung sich nicht verhehlen,
daß er nicht bestimmt wisse, von wem er das kranke Thier erworben habe; er
hätte deshalb, um sich nach beiden Seiten zu decken, beide Verkäufer vom. Sach-
stande benachrichtigen und seine Rechte ihnen gegenüber wahren sollen, ©trat er
dies gegenüber Sk. unterlassen hat, so ist der hierdurch ihm etwa entstehende
Schaden wiederum der Außerachtlassung der erforderlichen Sorgfalt Seiten des
Beklagten selbst zuzuschreiben.
II. Rechffertigen die vorstehenden Erwägungen die Verwerfung der geltend
gemachten Aufrechnungseinrede, sowie die' Abweisung der Widerklage, so bleibt weiter
zu untersuchen, ob der Beklagte durch sein Verhalten eine Fahrlässigkeit nicht nur
in der Wahrung seiner eigenen Interessen, sondern auch im Verhältnisse zu den
Klägern verhangen habe, sowie, falls dies zu bejahen, ob auch diesen eigene Ver-
schuldung beizumessen sei.
1. An sich war die oben besprochene Handlungsweise des Beklagten, nämlich
die Unterlassung von Maßregeln, welche die Unterscheidung der beiden einander
sehr ähnlichen Pferde ermöglichten, nur geeignet, ihm selbst Schaden zu bringen,
indem sie ihn nach Befinden außer Stand setzte, demjenigen Verkäufer gegenüber,
von welchem' das kranke Pferd veräußert worden war, seine Rechte mit Erfolg
wahrzunehmen. Eine Schädigung für die Kläger war daraus an sich nicht zu
erwarten, und es läßt sich daher auch nicht wohl sagen, daß der Beklag'e schon
durch sein eben gewürdetes Verhalten sich der Versäumung einer Pflicht, die ihm
gegenüber den Klägern obgelegen, schuldig gemacht habe. Jndeß kommt hier
noch Folgendes in Betracht.
Me schon oben hervorgehoben worden, konnte der Beklagte nach der durch
sein eigenes Vorgehen geschaffenen Sachlage mit Bestimmtheit überhaupt nicht wissen,
von welchem der beiden Verkäufer er das kranke Pferd erworben habe, und er
mußte sich bei gehöriger Ueberlegung sagen, daß er dazu außer Stande sei. Mit
Rücksicht hierauf war es ungerechtfertigt, wenn er nicht Anstand nahm, den Klä-
gern gegenüber mit der Behauptung auszutreten, daß das von ihnen verkaufte
Pferd krank sei, er hätte sich vielmehr damit begnügen müssen, ihnen mitzutheilen,
daß der eine der beiden Fuchswallache, die er gleichzeitig von ihnen und von Sk.
gekauft habe, ein Lungenpfeifer sei und er seinerseits glaube, daß das kranke Thier
ihm von Th. vexkaust worden sei. Es konnte ihm hei Anwendung der ersorder-

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