Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

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Culpa in contrahendo.

einander „außerordentlich ähnlich" gewesen, ihm habe sein Koppelknecht H., der
die Pferde nach Halle geleitet gehabt, die Drahtmeldung zugehen lassen, daß das
von den Klägern verkaufte Pferd ein Lungenpfeifer sei, und er habe keinerlei An-
laß gehabt, die Verläßlichkeit der Mittheilung, daß es sich um das von den
Klägern gelieferte Pferd handele, in Zweifel zu ziehen.
Dagegen treffe die Kläger Verschuldung, sie hätten schon aus der oben er-
wähnten thierärztlichen Beschreibung ersehen können, daß der Beklagte im Jrrrhum
sei, jedenfalls aber habe B. in Leipzig dies erkennen müssen, da er zwar bei dem
Handel in Altona nicht mitgewirkt habe, wohl aber dabei „ab und zugegangen
sei" und sowohl das von Th. verkaufte, als das mit diesem nachmals verwechselte
Sk.'sche Pferd gesehen habe.
Mit Rücksicht auf das Vorbemerkte forderte der Beklagte Abweisung der
Klage auch betreffs der 600 Mk. Futterkosten, indem er insoweit aufrcchnungs-
weise eine Gegenforderung geltend machte. Er meinte nämlich, durch das schuld-
hafte Verhalten der Kläger sei er davon abgehalten worden, rechtzeitig gegenüber
Sk. seine Rechte zu wahren, insbesondere demselben Anzeige über die Mangel-
haftigkeit des. einen der von ihm verkauften Pferde zu machen, das habe erst nach
dem Empfang der Mittheilnng Th.'s vom 10. Februar 1890 geschehen können;
Sk. aber weise die Anzeige als verspätet zurück. Er, Beklagter, fordere von Sk.
den diesem gezahlten Kaufpreis, Futterkosten rc., zusammen 1400 Mk. und Futter-
kosten an 2 Mk. 50 Pf. täglich für die Zukunft bis zur Rücknahme des ThiereS.
Für Alles dies und auch für die Prozeßkosten des Rechtsstreits gegen Sk. müßten
die Kläger auftommen, wenn Sk. obsiege. Beklagter machte die Ansprüche aufrech-
nungs- und widerklagweise geltend.
Beklagter wurde in beiden Instanzen unter Abweisung der Widerklage nach
dem Klagantrage verurtheilt. In den Gründen des 'zweitinstanzlichen Urtheils
wird ausgeführt:
I. Der vorigen Instanz ist lediglich beizutreten gewesen, wenn sie angenommen,
daß die Verwechselung der beiden Fuchswallache und die daraus hervorgegangenen
Irrungen einer Verschuldung des Beklagten zuzuschreiben sind. Der zwischen den
Parteien abgeschlossene Kaufvertrag war für beide Theile Handelsgeschäft, beide
hatten daher die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufnianns anzuwenden (H.G.B.
Art. 282). Diese aber erfordert es, daß der Beklagte, wenn er zwei einander
„außerordentlich ähnliche" Pferde gleichzeitig erwarb, Vorkehrungen dahin traf,
daß die beiden Thiere mit Sicherheit unterschieden werden konnten; dies war, wie
keiner Darlegung bedarf, in der einfachsten Weise ausführbar und konnte sehr wohl
bereits vor dem Beginne des Transportes der Thiere nach Halle geschehen.
Mt Unrecht macht der Beklagte hiergegen geltend, daß weder im Handel
überhaupt, noch im Pferdehandel im Besonderen für den Käufer die Verpflichtung
bestehe, zu „muthmaßen", daß die gekaufte Waare fehlerhaft sei, derselbe dürfe
vielmehr darauf vertrauen, daß, was er als fehlerfrei gekauft, auch fehlerlos.sein

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