Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

580 Coith, über die Voraussetzungen für die Schadeilsersatzpflicht
beseitigt werden konnte. Die Elbschiffe konnten dort nicht mehr passiven; die Güter,
welche sonst mittelst derselben befördert wurden, mußten den weit kostspieligeren
Weg zu Lande nehmen oder liegen bleiben, vielen Schiffern entging der gewöhnliche
Verdienst. Das Nähere dieses Unfalls gehört nicht hierher. Man setze aber den
Fall — der ja recht wohl denkbar ist — daß bei diesem Vorgang dem Stein-
brecher eine Verschuldung getroffen hätte, weil er z. B. eine für die Sprengungen
in Steinbrüchen gegebene polizeiliche Vorschriftsmaßregel außer Acht gelassen hätte,
so daß seine Handlungsweise als eine „illoyale" im Sinn des § 704 des Entw.
anzusehen gewesen wäre: welcher Unsumme von Schädenansprüchen wäre jener
Mann ausgesetzt gewesen nach dem obigen Principe dieses Paragraphen erstens
von Seiten der Schiffer, deren Schiffe brach liegen mußten, zweitens von Seiten
der Spediteure, welche die damals schon übernommenen Güter aus dem kostspie-
ligeren Landwege befördern mußten, drittens von Seiten der Waarenempfänger,
deren damals schon gemachte Bestellungen etwa zu verspäteter Ausführung kamen
u. s. w. Und in der That — bei dem höchst allgemeinen Wortlaut des § 704 Abs. 1
— würde mancher Sachwalter sich mit Recht getraut haben, solche Anprüche durch-
zusühren, da demjenigen, der jenen ganz nahe an der Elbe, gelegenen Steinbruch
betrieb, vielleicht durch Urtheil von Sachverständigen recht wohl nachgewiesen' werden
konnte, daß er die Entstehung solcher Schäden in Folge seines Gebahrens habe
voraussehen müssen, darauf aber, ob er auch den Umfang des Schadens habe
voraussehen müssen, Etwas nicht angekommen wäre.
Es ließe sich der Gedanke, zu welchen Ungeheuerlichkeiten das hier besprochene
Princip des § 704 Abs. 1 führen könne, noch leicht weiter ausführen,") doch
ist hierzu nicht der Raum vorhanden, und nur das soll hier noch besprochen werden,
daß dasselbe bei seiner praktischen Durchführung auch zu höchst wunderlichen Con-
sequenzen und geradezu zu Ungerechtigkeiten führen würde.
Auch dies soll hier an einem Beispiele gezeigt werden. Der Besitzer eines
GasthofeS befiehlt seinem Hausknecht zu später Abendstunde, noch Heu vom Heu-
boden zu holen und in den Stall zu tragen, kann ihm aber hierbei nur eine de-
fecte Laterne mit zerbrochenem Glase zur Verfügung stellen. Der Knecht stellt die
Gefährlichkeit dieses Auftrags vor; aber der Dienstherr beharrt aus seinem Befehl;
der Knecht gehorcht und hat dabei das Unglück, daß — ohne daß ihn hierbei ein
Verschulden träfe — die Kerze aus der defecten Laterne herausfällt und das Heu
in Brand geräth. Es entsteht eine Feuersbrunst, die den Gasthof einäschert. Den

1°) Man denke z. B. an die ungeheuren Summen, welche durch ein gefälschtes Börsen-
telegramm an einem einzigen Tage an der Börse denjenigen verloren gehen können, die durch
die Umstände genöthigt sind, gerade zu dieser Zeit zu kaufen, resp. zu verkaufen. Der An-
stister der falschen Nachricht begeht unzweifelhaft eine unsittliche Handlung (8 705), deren
verheerende Folgen er unschwer voraussehen konnte; soll er aber deshalb verbunden sein, jene
Verluste nach den verschiedensten Seiten hin zu ersetzen? Auf Grund vom § 704 Abs. 1 könnte
man das recht wohl behaupten. - -

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