Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

Literatur.

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in Mecklenburg geltenden statutarischen Bestimmungen. In dem ersten
Theile der Schrift sind nach einem kurzen historischen Ueberblick die in den ein-
zelnen Orten geltenden, thcils auf schweriner, parchimer und lübischem Rechte be-
ruhenden, theils der sog. Märkischen Gütergemeinschaft angehörigen Bestimmungen
wiedergegeben, im zweiten Theil die für diese Statutarrechte gemeinsamen Grund-
sätze und die Exemtionen derselben mitgetheilt. Die ihren Gegenstand erschöpfend
behandelnde Arbeit hat — zumal beispielsweise sowohl der preußische (Allg. L.R. II,
1 § 350 flg.) wie der sächsische Richter (§ 14 B.G.B.'s) in die Lage kommen
können, jene Bestimmungen anzuwenden, — auch in weiteren juristischen Kreisen
begründeten Anspruch auf Beachtung.
Bekanntlich beträgt nach Justinianischem Recht der Pflichttheil in der Regel
ein Drittel, für den Fall aber, daß die Jntestaterbportion sich auf weniger als ein
Viertel des Nachlasses beläuft, die Hälfte derselben. Die Frage indeß, wie das
für die Kinder je nach Verschiedenheit ihrer -Zahl verschiedene Berechnungsprinzip
auf die Enkel ausgedehnt werden soll, ist von Justinian in Nov. 18 c. 1, 2 nicht
ausdrücklich entschieden worden und bis in die neuere Zeit controvers geblieben.
Mit diesem Pflichttheilsrecht der Enkel beschäftigt sich in Bd. 77 des Arch. für
ci. Prax. S. 54—76 Dr. P. Oertmann in eingehender Weise. Er greift dabei —
unter neuer Begründung und unter Verwerfung des Repräsentationsrechtes86) als
solchen (bergt. Windscheid VII. Aust. § 572 N. 4) — auf das Stammesprinzip zurück
und nimmt daher im Gegensatz zu der herrschenden Meinung (Windscheid § 580 Nr. 4)
an, daß bei der Berechnung des Pflichttheils der Enkel für die Feststellung, ob
die Jntestaterbportion weniger als ein Viertel des Nachlasses betrage, nicht von
der Zahl der Enkel überhaupt oder von den Jntestaterbtheilen der einzelnen Enkel,
sondern von denjenigen der verstorbenen oder sonst weggefallenen Söhne auszu-
gehen sei, daß es also nicht darauf ankomme, wieviel Enkel im Ganzen vorhanden
sind, oder wieviel Enkel von einem Sohne herrühren, sondern nur darauf in wie
viel Stämme die Enkel zerfallen. Sind also z. B. 5 Stämme da, so be-
trägt das Pflichttheil jedes Stammes 1j2. ]/5 — Vio> sind bloß 4 da, so beträgt
es '/z. '/4 = 1j12 der Erbschaft; dieses Zehntel oder Zwölftel ist dann auf die
bei dem einzelnen Stamme vorhandenen Enkel gleichmäßig zu verthcilen.
III.
Im Prozeßrechte ist die umfangreichste der vorliegenden Abhandlungen die in
der Zeitschr. f. Civilprozeß Bd. 15 S. 179—326 zu lesende Darstellung des
Civilprozeßverfahrens nach der kanonistischen Lehre von Geh. J.-Rath
Prof. Dr. Endemann in Bonn. Der hochangesehene Vers, beabsichtigt damit
in möglichster Kürze ein abschließendes Bild der Gestaltung des kanonistisch-ro-
manischen Civilprozesses zu geben, welche dieser auf seinem Höhepunkte nach den
Begriffen der kanonistischen Doctrin gezeigt habe. Diese Begrenzung des
86) vergl. Art. 739 6. civ.

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