Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 1 (1891))

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Literatur.

die Frage der Beweis last überhaupt nicht getroffen oder entschieden werde
(Wendt a. a. O. S. 411) und hatte sodann auf Grund eines reichen Quellen-
materiales nachzuweisen unternommen, daß nach römischer Auffassung der Kläger
nur die cau8a efficiens, die Erwerbsthatsache, nicht die condicio sine qua non
darzuthun gehabt habe.
Nach der Meinung Pflüger's (S. 17) ist zwar von Wendt der „über-
zeugende Gegenbeweis" erbracht worden, daß die Römer nicht daran dachten, das
onus petitoris zu einer so drückenden Last zu machen, daß sie nicht mehr als den
Nachweis des formell rechtmäßigen Erwerbes der Streitsache verlangten, z. B.
Kauf nnd Uebergabe vom Vorbesitzer und Zahlung des Preises.
Trotzdem glaubt Pflüger nicht, daß es Wendt gelungen sein werde, die
Anhänger der prob. diab. zu überzeugen, und sucht ihm durch die Behauptung
zu Hilfe zu kommen, daß der Beweis des dominii auctoris zwar nothwendig
gewesen sei, aber nicht dem Kläger, sondern dem Beklagten obgelegen habe, so-
bald sich dieser durch die Behauptung eigenen Eigenthums vertheidigte. Diese
Hypothese wird zwar, ohne daß für dieselbe Beweise aus den Quellen herbei-
gebracht würden, aber immerhin in ganz lesenswerther Weise durch fingirte Bei-
spiele als logisch nothwendig zu vertheidigen gesucht.
Anläßlich eines in der Praxis vorgekommenen Rechtsfalles bespricht Land-
gerichtsrath Sprenger in Bückeburg im Archiv f. eiv. Praxis Bd. 77, S. 28
bis 53 die Rechtsverhältnisse an Brunnen, insbesondere an gemeinschaft-
lichen Brunnen.
Der in der Hauptsache nur das gemeine Recht berücksichtigende Aufsatz
beruht auf ziemlich eingehenden Quellenforschungen, bringt aber im Wesentlichen
nichts Neues. Beachtenswerth erscheint der auf wirthschaftliche Bedenken gestützte
Angriff gegen das Recht des Grundeigenthümers, einen Brunnen auf seinem
Grundstück zu bauen, auch wenn er dadurch den Nachbarn das Wasser entzieht
(l 24 Z 12 D 39,2; Allg. L.R. I, 8, § 130), (S. 37), sowie der Wunsch einer
reichsgesetzlichen Regelung des Wasserrechts wenigstens insoweit, als es dem privat-
rechtlichen Gebiete angehört.bi)
Amtsrichter Simon in Staßfurt bespricht in Rassow-Küntzel's Beitr. Bd. 35
S. 68 flg. die dingliche Verhaftung der dem beschädigten Grundbesitzer von dem
Bergbaubetteibenden gezahlten Entschädigungsgelder (Preuß. Allgem. Bergges. § 148)
und empfiehlt, den § 30 des preuß. Eigenth.-ErwerbSges. v. 5. Mai 1872 dahin
zu fassen, daß solche gesetzliche oder verttagsmäßige Entschädigungen für das ein-
84) Vergl. dazu außer den vom Verf. dürfen Vorschlägen von Mecke u. Metz, Gut-
achten aus dem Anwalistande S. N, S. 967, A. F. Wagner, deutsches und österreichisches
Wasserrecht in s. Anwendung auf Quellen und Grundwasser 1886 S. 8, 31, 40. Hager,
über die Aufnahme des Wasserrechts in das B.G.B. 1690 S. 24, 26; und dazu Leonhardt,
im Archiv f. bürg. Recht Bd. 5, S. 132, und Schenkel, Centralblatt f. Rechtswissenschaft
Bd. 10, S. 255.

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