Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

Literatur. 557
Auch jetzt wieder tritt'er als Bertheidiger der Jhering'schen Ideen besonders Kuntze,8)
gegenüber auf, weil dieser sich lediglich im Savigny'schen Gedankenkreise bewege,
auch in dem mit „für Jhering" überschriebenen Capitel seines Buches Ihatsächlich
als Gegner Jhering's sich erweise,,9) und die wichtigste für die Jhering'sche Lehre
sprechende Quellenstelle I 44 § 4 D 41 ,s gu erörtern unterlassen habe. Baron
sucht ferner einige Bedenken, welche Thur in seiner 8°) Besprechung des Jhering'-
schen Werkes geäußert hatte, zu widerlegen und schließt sich ©troljot81) insofern
an, als derselbe, von Jhering etwas abweichend, den „unselbständigen Inhabern"
(„neben welchen ein Anderer da ist, der nach der Auffassung des Lebens nach
Willkür in der Lage ist, über die Sache thatsächlich zu disponiren" z. B. Dienst-
boten) den possessorischen Schutz versagen,8ä) den selbständigen Inhabern dagegen
(Sequester, Nachlaßpfleger u. s. w.) geben will. Baron untersucht sodann die
Frage, ob der Bermiether (Eigenbesitzer) den Miether (Nutzbesitzer) mit Eigenmacht
entsetzen oder iu po88C88orio gegen ihn klagen könne, verneint dieß und verweist
den ersteren auf § 819 C.P.O.
Die probatio diabolica erörtert der Privatdocent an der Universität Bonn,
Dr. H. H. Pflüger im Archiv s. d. civ. Praxis Bd. 77, S. 16 flg. im An-
schluß an die bekannte Abhandlung Wendt's über die Beweislast bei der rcl vin-
dicatio.83) Wendt hatte seine Bekämpfung der — seit dem Verstummen der
Thibant'schen Angriffe (Archiv f. civ. Praxis Bd. 6, S. 311 flg.) sonst allgemein
anerkannten — Lehre von der probatio diabolica hauptsächlich darauf gestützt,
daß die beiden, von der herrschenden Meinung als entscheidend betrachteten Stellen
1 20 pr. D 41 a und 1 54 D 50,„ zwar die Grundregel des derivativen
Erwerbs und der Rechtsnachfolge, den theoretisch zweifellosen Lehrsatz enthielten,
daß bei der Uebertragung des Eigenthums volles Recht des auctor die unerläß-
liche Voraussetzung für den Erwerb des Nachfolgers bilde, daß damit aber doch
dem jurist. Besitzer derselbe Wille zu. 2. Das Wesen der röm. Detention beruht auf
praktischen Motiven, gewissen Personen wird aus solchen Motiven der possessorische Schutz
versagt und bloß Detention zugeschrieben. 3. Ein einziger röm. Jurist (Paulus) hat die
Unterscheidung des jurist. Besitzers und des Detentor auf die Verschiedenheit ihres Willens
zurückgeführt, seine Meinung ist um so weniger von Gewicht, als sie lediglich den Zweck
hat, eine Rechtsdeduction zu liefern.
,78) Kuntze, zur Besitzlehre. Für tutb wider Rudolf von Jhering. 1890.
79) Die Übereinstimmung zwischen Kuntze und Jhering, daß beide dem klagenden Be-
sitzer den Beweis der animu8 possiäeuäi erlassen, sei bloß scheinbar, denn unter anirnrw pass,
verstehe Jhering den Willen,-daß das thalsächliche Verhältniß zwischen Person und Sache
besteheKuntze den anirmw domini.
80) in der deutsch. Litteraturzeitung Wintersem. 1889/90 erschienenen.
81) in Jhering's Jahrbüchern Bd. 29 S. 236 flg.
M) so schon Bähr im Archiv f. bürg. Recht 2, S. 122, 123.
8S) Archiv f. civil. Praxis Bd. 76, S. 397 flg. (in Windscheid, Pand. VH Aufl. ist
Bd. I S. 762 in den Nachträgen in Folge eines Druckfehlers Hölder als Verf. dieser Ab-
handlung genannt).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer