Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

444 Dreyer, Mehrheit der Ansprüche eiues Versicherten und Mehrheit der Versicherungen.
Das Ergebniß des Vorstehenden ist also abgesehen von besonderen gesetzlichen
Vorschriften und Vereinbarungen in deir Versicherungsverträgen folgendes:
1. Eine mehrfache Versicherung ist grundsätzlich wirksam.
2. durch Versicherungen, welche auf Ausgleichung eines Schadens gerichtet sind,
entstehen Solidarobligationen, woraus folgt:
a) Der Versicherte kann nach seiner Wahl von jedem Versicherer den ganzen
Ersatz fordern, soweit er ihm versprochen ist.
lr) Soweit ein Versicherer Ersatz geleistet hat, erlöscht die Verpflichtung
aus den anderen Versicherungsverträgen.
o) Der Versicherer, welcher bezahlt, hat weder einen Anspruch aus Ab-
tretung der Ansprüche gegen einen anderen Versicherer noch einen Rückgriff
gegen diesen.
3. Bei den anderen Versicherungen, bei welchen es sich nicht um ein versichertes
Interesse, nicht um Ausgleichung eines Schadens handelt, entstehen keine So-
lidarobligationen. Die Leistungen können so oft bezogen werden, als sie ver-
sprochen sind.
8 7. 3. Mehrfache Versicherung verschiedener Interessen durch
dieselbe Person.
1. Eine besonders in Frankreich wegen der Art. 1721, 1722, 1733 code
civ. vorkommende Häufung von Versicherungen entsteht aus der Versicherung des
sog. risqus locatif. Der Vermiether versichert nicht nur sein Gebäude gegen
Feuersgefahr, sondern auch sich selbst gegen die Ersatzansprüche, welche etwa wegen
eines Brandschadens die Miether gegen ihn erheben könnten und wiederum ver-
sichern diese ihre Mobilien und ihre etwaige Haftung gegenüber dem Eigenthümer
und den anderen Miethern. Da diese Art der Versicherung nur bei einem liefern
Eingehen auf das französische Recht dargestellt werden könnte, mag sie hier um-
somehr übergangen werden, als die französischen Versicherungsgesellschaften sie
(durch Compensation, Skontration der Prämien) wesentlich vereinfacht haben.
Außerdem ist, wie bereits erwähnt, der Art. 1734 durch ein Gesetz vom 5. Ja-
nuar 1883 modificirt worden?")
2. Es kommt vor, daß dieselbe Person sich Summen für den Eintritt ver-
schiedener Ereignisse versprechen läßt. Neben einer gewöhnlichen Versicherung auf
den Todesfall wird Versicherung einer Rente für den Eintritt in ein gewisses
Lebensalter, Versicherung für einen Reiseunfall genommen. Nach den für diese
Art von Versicherung entwickelten Grundsätzen sind die mehrfachen Versicherungen
als nebeneinander gültig und vollwirksam zu erachten. Gesetzt also A. hat in
Folge einer Altersrentenversicherung nach Erreichung des 60. Lebensjahres ein
Kapital erhalten, er verunglückt später auf einer Eisenbahn und hatte außer einer
Versicherung auf den Todesfall noch eine sog. Reiseunfallversicherung genommen,
4tl) Vergl. Lalande no. 739 flg.

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