Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

440 Dreyer, Mehrheit der Ansprüche eines Versicherten und Mehrheit der Versicherungen.
nur zu dem Zwecke, damit der Versicherer ermessen kann, ob unter den obwalten-
den Umständen die Offerte annehmbar sei. Von einer eigentlichen Doppelversicherung
kann also nur bei der auf Ersatz eines Schadens gerichteten die Rede sein, da diese
allein ein zu versicherndes Interesse zum Gegenstände hat. Als der gewöhnliche Fall
kann der weiteren Erörterung die Versicherung gegen Brandschaden zu Grunde
gelegt werden. Wenn nun betreffs desselben Objekts mehrfache Versicherung gegen
Brandschaden genommen ist, so fragt es sich:
1. Sind alle, -auch die nachfolgenden Versicherungen wirksam und zwar
a) ,itt der Weise, daß sämmtliche Versicherer zur Vergütung des vollen
Schadens verpflichtet sind; gder
b) in der Weise, daß der Versicherte nur die Wahl hat, von welchem
Versicherer er Ersatz verlangt, oder ,
o) so, daß die mehreren Versicherer im Verhältnisse der Gesammtver-
sicherungssumine zum Gesammtschaden beitragen; oder
2. Sind die nachfolgenden Versicherungen nichtig, unter Umständen sogar die erste?
Mit der Möglichkeit 1 c ist die Versicherung durch mehrere Versicherer zu An-
theilen öder bestimmten Summen — die sog. Mitvcrsicherung — nicht zu verwechseln.
Diese kommt bei Immobiliarversicherungen in vielen Staaten vor, deren staatliche
Anstalt nur einen Bruchtheil des Gebäudes (Baden vier fünftel) versichert, auch
sonst übernehmen bei großen Anstalten 'oder bei besonderer Feuersgefährlichkeit
vorsichtige Gesellschaften nur Theile des Risikos. Diese Verhältnisse regeln sich
durch Proportionelle Ausrechnung des zu ersetzenden Schadens.")
Betreffs der eigentlichen Doppelversicherung enthalten die meisten Gesell-
schaftsstatuten besondere Vorschriften. Einzelne stellen das Princip aus, daß dem
Versicherten mittelst der Versicherung eine Bereicherung nicht zu Theil werden
solle. Sie verlangen Anzeige von einer späteren Versicherung, drohen für den
Fall der Unterlassung die Erlöschung der bestehenden Versicherung an, behalten
sich aber- die sofortige Erneuerung vor, wobei dann aber der Schaden nur ver-
hältnißmäßig vergütet wird.") Die französischen Gesellschaften erklären meistens
in ihren Statuten die erste Versicherung für aufgehoben, wenn eine zweite ge-
nommen wird und hat der Pariser Cassationshof diese auflösende Bedingung für
statthaft erklärt.'").
Sieht man von den statutarischen Vorschriften ab, so sind für Preußen die
§§ 1984, 2000—2007 II8 A.L.R. maßgebend. Darnach darf Niemand für
einen und denselben Gegenstand auf dessen gemeinen Werth mehrere Versicherungen
nehmen. Die zweite ist aber nur hinfällig, wenn bei ihr vorsätzlich oder aus
25) Lalande, traite thdorique et pratique du contrat d’assurance contre
l’incendie no. 285 , 246. Verf. der Gothaer Bank § 53 Abs. 3. —
24) Vergl. Bayr. Hyp.- u. Wechselbank §§ 3, 6,' 14; Gothaer Verf. §§ 52, 53; Cöln § 5.
26) 13olinevi 11 e de Marsagny, Jurisprudence gdnerale des assurances terrestres.
I. S. 6, 8. Ebenso entscheiden die Appellhbfe IL S. 22, 23, 469.

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