Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

19.2.9. Darlehne, wenn auch zum Spielen gewährt, sind klagbar, sofern nicht das Spiel selbst verboten ist.

419

Darlehne zu erlaubtem Spiele.
der Mittagspause, angeschrieben worden sei. Dieser Umstand würde jedoch, wenn
er wahr wäre, dem Kläger nicht zum Vortheil gereichen, denn aus der bereits am
21. December vom Kläger an den Fabrikleiter gerichteten Anfrage wegen der
bevorstehenden Ueberstuuden ergiebt sich, daß Kläger durch die Anordnung solcher
Stunden keineswegs unvorbereitet getroffen wurde.
Hätte nun Kläger alsbald nach Erlaß der Anordnung sich gemeldet und
seinen Widerspruch angebracht, so würde es fraglich erscheinen, ob er nicht als-
dann berechtigt gewesen wäre, die Arbeit vor 8 Uhr zu verlassen. — Allein
eilte solche Meldung ist nicht erfolgt, auch hat Kläger nicht behauptet, daß er durch
irgend welche widrigen Umstände an der Meldung verhindert worden sei. Er hat
dieselbe vielmehr offenbar absichtlich unterlassen. Sein ganzes Verhalten, namentlich
seine Mitwirkung bei der Weitergabe des Zettels, das anfängliche Weiterarbeiten
von 6 bis 7 Uhr, sodann das plötzlich auf das durch einen Pfiff gegebene Zeichen
erfolgende Abbrechen der Arbeit, alle diese Umstände zeigen zur Genüge, daß der
Kläger, ebenso wie die übrigen Arbeiter, durch das unerwartete Verlassen der Ar-
beit um 7 Uhr die Beklagte überraschen, seinen Prinzipalen einen Streich spielen,
die Maßnahmen derselben absichtlich durchkreuzen wollte. Nach dem oben Aus-
geführten ist aber das unter solchen Umständen erfolgende Verlassen der Arbeit
als ein unbefugtes im Sinne der mehrgedachten Gesetzesvorschrift anzusehen.
Tarlchnc. wenn auch zum Spielen gewährt, sind klagbar, sofern nicht
das Spiel selbst verboten ist — § 1480 B.G.B.
L.G. Chemnitz Dg. 182 90. Unheil vom 16. Dezember 1890.
Als die Parteien und zwei andere Personen in eineni Gasthofe zu CH. mit ein-
ander Karte spielten und zwar „tippten", bat Beklagter den Kläger um 50 Mk., die
er auch von ihm, zunächst mit 30 Mk. und nach einiger Zeit mit 20 Mk. er-
hielt. Das Spiel wurde darauf noch einige Zeit fortgesetzt, ohne daß Beklagter
dem Kläger die 50 Mk. zurückzahlte. Da dies auch später nicht geschah, so ver-
klagte ihn Kläger auf Rückzahlung dieses Betrags als eines ihm gewährten Dar-
lehns. Auf gcrichtsseitiges Befragen erklärte Kläger, er habe die 50 Mk. dem
Beklagten dargeliehen, da dieser ihm gesagt, er könne sonst nicht nach Hause fahren.
Später widerrief er jedoch diese Behauptung, und erklärte, er wisse nicht, zu
welchem Zwecke er dem Beklagten das Geld dargeliehen habe.
Beklagter dagegen gab an, er habe schon aufhören wollen zu spielen; da
habe ihm der Kläger erst 30 Mk. und dann noch 20 Mk. gegeben, um das
Spiel mit ihm und gegen ihn fortsetzcn zu können; er habe dann auch das ihm
vom Kläger dargeliehene Geld zum Spiele wider und mit ihm verwendet und
sei demnach nach § 1480 des B.G.B.'s nicht verpsiichtet, dieses Geld — eine
Spielschuld — zurückzuzahlen.
Die erste Instanz erhob Zeugenbeweis über die Behauptung des Klägers

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer