Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 1 (1891))

H Petersen, Konkursverwalter.
tationstheorie.)') Endlich fand auch die Ansicht Vertreter, daß durch die Konkurs-
eröffnung zu Gunsten der Äonkursgläubiger ein richterliches Pfandrecht an dem
zur Konkursmasse gehörigen Vermögen des Gemeinschuldners begründet werde.
(Psandrechtstheorie.)^) Allen diesen Ansichten lag die Auffassung zu Grunde,
daß den Gläubigern, in deren Interesse das Konkursverfahren betrieben werde,
auch die Verwaltung der Konkursmasse und die Ausübung der an sich dem Ge-
meinschuldner zustehenden Rechte zukommen müsse. Dabei war mehr oder weniger
der Gedanke an die römische missio in bona oder auch an die oossio bonorum
maßgebend. Für die Konstruktion des den Gläubigern zugeschriebenen Rechts
wurden verschiedene Wege eingeschlagen, die sich, nachdem die Unhaltbarkeit
der Successionstheorie erkannt war, auf die Unterstellung einer Rcpräsentations-
befugniß und eines Pfandrechts konzentrirten. Daß diese Konstruktionsversuche
sammt und sonders nicht vollständig befriedigend seien, wurde übrigens gleichfalls
erkannt?) Den bisherigen dargelegten Ansichten stand diejenige Auffassung nahe,
nach welcher die Gläubigerschaft aus eigenem Rechte (nicht als Repräsentant
des Gemeinschuldners) das Recht auf gerichtliche Beschlagnahme und Verwaltung
des veräußerlichen Vermögens und die Bcfugniß, über dasselbe zum Zweck ihrer
Beftiedigung zu verfügen, erlangen sollte?) denn auch nach dieser Ansicht erwuchs
der Gläubigerschaft in Folge der Konkurseröffnung ein Recht am Vermögen des
Gemeinschuldners. Dagegen stand den erwähnten Auffassungen diejenige Ansicht
scharf entgegen, nach welcher den Gläubigern keinerlei Recht an der Äonkursmasse,
insbesondere auch kein Repräsentations-und Verwaltungsrecht eingeräumt, vielmehr
angenommen wurde, das Gericht nehme das Vermögen des Gemeinschuldners in
Besitz und lasse dasselbe durch einen von ihm ernannten und abhängigen Kurator
verwalten, der hienach nicht als Vertreter der Gläubiger, sondern als Vertreter
des Gemeinschuldners anzusehen sei?)
Im preußischen Recht, dem für die Auslegung der in der K.O. enthaltenen
Vorschriften eine sehr erhebliche Bedeutung zukommt, hatte die Psandrechtstheorie
vor Einführung der K.O. v. 8. Mai 1855 Geltung erlangt, indem hienach „die
Gläubiger zusammengenommen" durch die Konkurseröffnung „ein allgemeines Pfand-

') Diese Auffassung wurde besonders vertreten von Dabelow, ausführl. Entwickl.
S. 279, 679 u. von Schweppe, System § 59 S. 109 slg.
So besonders Puchta über den Konkursprozeß S. 17 flg. und S. 285 Anm. d.
3) So äußerte Bayer (Konkursprozeß tz 29 S. 81 slg.) fast jeder der Wege, auf welchem
man das durch die Konkurseröffnung entstehende Rechtsverhältniß zu erklären suche, führe
bei konsequenter Durchführung zu Resultaten, welche mit dem bestehenden Verfahren in Wider°
spruch ständen und führte dann aus, am wenigsten Anstand würde die Annahme eines Pfand-
rechts haben, welche die Veräußerungsbefugniß erkläre; eine ausdrückliche gesetzliche Aner-
kennung eines solchen Pfandrechts finde sich aber nirgends.
*) So Schenck in der Zeitschr. für Civilr. u. Prozeß Bd. 13 S. 67 flg., bes.
S. 86 flg. und 91.
6) So Fuchs, Konkursverfahren S. 44 flg. und 52 flg.

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