Full text: Volume (Bd. 1 (1891))

134 Versicherung gegen körperliche Unfälle.
verstanden werden, bei welchem der Körper des Betreffenden gegen seinen Willen
durch äußere Gewalt schädlich beeinflußt wird.
Als durch „äußere Gewalt" herbeigeführt kann nun, wie gegenüber den
Ausführungen des vorigen Urtheils zunächst der Hervorhebung bedarf, nicht jede
Einwirkung auf den Körper betrachtet werden, die sich unmittelbar vollzieht. Die
Worte „gewaltsam" und „unmittelbar" haben weder nach ihrer Ableitung, noch
nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche denselben Sinn. Was gewaltsam wirkt,
wird wohl immer auch unmittelbar wirken, nicht aber ist jede unmittelbare Ein-
wirkung auch eine gewaltsame, der letztere Begriff ist der engere. Dementsprechend
ist auch in dem von der vorigen Instanz angezogenen Werke
Eger, Haftpflichtgesetz S. 67
mit Recht der gewaltsamen Körperverletzung u. A. das Erfrieren von Gliedmaßen
gegenübergestellt, obwohl hierbei die Körperverletzung vermöge der unmittelbar
sich vollziehenden Beeinflussung des Körpers durch kalte Lust hervorgerufen wird.
Durch die Feststellung, daß das Aufkratzen und Quetschen des Blüthchens eine
unmittelbar schädigende Einwirkung auf den Körper gewesen, wird daher für die
Frage, ob die Einwirkung durch äußere Gewalt erfolgt sei, nichts gewonnen.
Ebensowenig ist der eingetretene Erfolg maßgebend dergestalt, daß sich sagen ließe,
jene Vornahmen seien gewaltsame gewesen, weil durch sie die Integrität des Körpers
verletzt worden sei, also die gegen denselben zur Anwendung gelangte Kraft so stark
gewirkt habe, daß der Widerstand, welchen die betroffenen Körpertheile ihrer Ver-
letzung, Trennung, entgegengestellt, überwundm worden sei.
Zwar steht den Klägern insoweit der Ausspruch des Prof. Di-. B. zur
Seite, wonach vom ärztlichen Standpunkte aus jede Einwirkung auf den
Körper als gewaltsam bezeichnet wird, welche eine „Kontinuitätstrennung" irgend
welcher Art veranlaßt hat. Die Richtigkeit dieses Satzes soll an sich nicht be-
mängelt werden. Allein der ärztliche Standpunkt ist hier eben nicht maßgebend,
es kommt nicht darauf an, was nach der Sprechweise der Aerzte, sondern was
nach dem allgemeinen Sprachgebrauche als Gewalt, als gewaltsam bezeichnet wird.
Nach dem letzteren aber wird von einer gewaltsamen Einwirkung auf den mensch-
lichen Körper nur dann gesprochen, wenn bei derselben ein größeres, ungewöhn-
liches Maß von Kraft entfaltet oder ein besonderes Mittel, welches auch bei ge-
ringer Krastanwendung den Körper erheblich zu beeinflussen im Stande ist —
Waffen ic. — gebraucht worden ist. Selbstverständlich läßt sich für die Kraft,
welche aufgewendet worden sein muß, um von Gewalt reden zu können, kein ab-
solutes Maß angeben, die Frage ist nach allen Umständen des einzelnen Falles,
nach der Beschaffenheit der Person, auf welche eingewirkt worden und des Körper-
theils, welcher bettoffen worden, zu beantworten; so wird ein Druck auf das
Auge eines Menschen sich als Gewalt darstcllen können, obwohl dabei eine nur
geringe Kraftentwicklung stattgefunden, während die gleiche Einwirkung gegenüber

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